Nele, Oma und der Psalm 23 Teil 2

Nele ist ja gerade bei der Oma. Es ist ihr geliebter Oma-Tag. Ganz aufregend hat er begonnen. Oma und sie haben sich auf den Weg gemacht, zuzuschauen, wie an ihrem Ort vorbei ein Hirte eine große Schafherde auf eine andere Weidefläche gebracht hat. Nele war ganz begeistert. So viele Schafe!

Als sie wieder zu Hause waren und Nele ganz begeistert erzählt hat, was sie alles erlebt haben, da kam der Oma die Idee: „Kennst du eigentlich den Psalm 23?" Kannte Nele noch nicht. Die Oma holte die Bibel und fand den Psalm 23. Sie hat ihn der Nele vorgelesen. Nicht ganz, so weit kamen sie gar nicht. Denn Nele hatte einige Fragen und viel dazu zu erzählen. Sie mussten sogar das Kochen verschieben, weil es für die Nele so spannend und aufregend war.

Und jetzt waren sie endlich in der Küche und bereiteten gemeinsam die Lasagne mit Linsenbolognese vor. Nele schnippelte das Gemüse für die Linsenbolognese und die Oma kochte die Tomatensauce mit den Linsen und die Bechamelsauce. Das Gemüse wurde dann in der Tomaten-Linsen-Sauce mitgekocht. Gemeinsam schichteten sie dann Lasagneblätter, rote und weiße Sauce übereinander. Zuletzt die weiße Sauce und darüber viel Käse zum Überbacken. Nun wanderte die Lasagne in den heißen Herd und braucht noch etwa 30 Minuten, bis sie schön überbacken war. So lange konnten sie wieder zum Psalm im Wohnzimmer zurückkehren.

Es waren nur noch zwei Verse und Oma las sie vor: „Du deckst für mich einen Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haar mit duftendem Öl und füllst mir den Becher bis zum Rand. Nichts als Liebe und Güte begleiten mich alle Tage meines Lebens. Mein Platz ist im Haus des Herrn. Dort möchte ich mein Leben lang bleiben.“ Nele hatte aufmerksam zugehört. „Sagst du bitte nochmal den ersten Satz, Oma?“, fragt sie. Oma liest: „Du deckst für mich einen Tisch vor den Augen meiner Feinde.” Nele schaut kritisch. „Ich weiß nicht, ob ich das will. Essen, wenn meine Feinde zuschauen? Willst du das? Das schmeckt doch dann gar nicht.“

Die Oma schaut verdutzt. „Du hast recht, Nele, so habe ich das noch gar nicht bedacht. Ich habe da immer andersherum gedacht. Ich habe mir gedacht, Gott lässt sich von meinen Feinden nicht verbieten, dass er mich mit gutem Essen versorgt. Die sind nicht so mächtig. Er ist mächtiger.“

Da nickt die Nele: „Ach so kann man das auch sehen! Und dann sowas wie eine Wolkenwand zwischen mir, meinem Tisch mit Essen und den Feinden. Dann geht das. Wie geht es dann weiter?“ Die Oma liest weiter: “Du salbst mein Haar mit duftendem Öl und füllst mir den Becher bis zum Rand.” Die Nele zieht schon wieder die Nase kraus: „Was macht denn duftendes Öl in meinem Haar?“ Oma lächelt: „Das war früher ein Zeichen der Liebe, wenn man einen anderen Menschen mit duftendem Öl eingerieben hat. Die Stirn, die Haare, die Füße. So war das, damals zu biblischen Zeiten. Und bevor du dich über den vollen Becher aufregst. Das erzählt nur, dass es in einem sehr heißen Land an diesem Tisch ausreichend, ja viel zu trinken gab. Viel Flüssigkeit, das tut bei Hitze dem Körper gut.“

Und dann liest sie weiter, die Oma: „Nichts als Liebe und Güte begleiten mich alle Tage meines Lebens. Mein Platz ist im Haus des Herrn. Dort möchte ich mein Leben lang bleiben.“ Die Oma schließt die Bibel und da läutet der Wecker in der Küche. Die Lasagne ist fertig.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg. Die Oma holt die Auflaufform aus dem Backofen. Nele deckt den Tisch. Neckisch sagt sie: „Der Tisch wird gedeckt – ohne die Feinde.“ Sie setzten sich und die Oma verteilt Lasagne auf die Teller. Es duftet köstlich. Nele ist glücklich. Hier bei der Oma fühlt sie sich wohl. Hier erfährt sie Geborgenheit und Liebe. Wie war das in dem Psalm? Während Nele genüsslich die Lasagne isst, denkt sie nach:„Nichts als Liebe und Güte begleiten mich alle Tage meines Lebens. Mein Platz ist im Haus des Herrn. Dort möchte ich mein Leben lang bleiben.“

„Oma, der letzte Vers von dem Psalm muss dich kennen. Ich fühle mich so wohl bei dir. Hier will ich immer wieder sein. Hier will ich einen Platz haben, an deinem Tisch.“ Die Oma freut sich: „Danke, Nele, das hast du schön gesagt. Und hier ist auch immer ein guter Platz für dich. Du bist immer willkommen bei mir. Und wenn du dich hier schon so geborgen fühlst. Wie ist es dann erst bei Gott? Der ist immer da. Ich werde eines Tages sterben und diese Welt verlassen. Doch Gott bleibt für dich da. Sein Tisch, sein übervoller Becher, sein duftendes Öl, sein Haus und seine Liebe und Güte, die dich begleiten.“ Es war feierlich geworden in der Küche. Nele wollte gar nicht daran denken, dass die Oma einmal stirbt.

Doch die Oma stand auf: „Los, Nele, lass uns noch schnell zusammenräumen. Es ist heute sehr spät geworden. Ich bringe dich noch heim.“ So machten sie es dann. Und Nele hatte viel zu erzählen, was sie alles an ihrem Oma-Tag erlebt hatte.

Nächste Woche geht es nochmals um eine Geschichte mit einem Hirten und seinen Schafen.

Ps 23, 5-6

9.5.2026

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Nele, Oma und der Psalm 23