Nele, Oma und der Psalm 23

Nele hat Oma-Tag. Das freut sie schon Tage vorher. Mit ihrer Oma war es immer prima. Sie konnte sich wünschen, was gemeinsam gekocht wird. Sie konnte aussuchen, was sie gemeinsam unternehmen würden. Ein Tag ganz nach Neles Geschmack.

Die wichtigste Frage war schon vorab geklärt. Es sollte Lasagne geben mit Linsenbolognese. Die mochte Nele sehr gerne, und zu Hause gab es oft Fleischbolognese, weil die der Papa so gerne isst

Es war Samstagvormittag und Nele packte ihren Rucksack. Sie nahm ihr Federmäppchen und ihr Mäppchen mit den Bastelsachen mit. Man wusste ja nie, wie das Wetter werden würde. So hätte sie für alle Fälle das Wichtigste dabei und Papier gab es bei der Oma in vielen Farben.

So machte sie sich auf den Weg zur Oma. Dort angekommen gab es erst nochmals ein kleines 2. Frühstück, mit Früchtetee und Omas bestem Käsekuchen.

Dann wurde überlegt, was sie heute machen könnten. Die Oma hatte in der Zeitung gelesen, dass der Schäfer mit seiner Schafherde heute am Ort vorbeiziehen würde. Die Schafe sollten die Weide wechseln. Oma wusste genau, wo sie hinmussten, um etwas sehen zu können. Nele war begeistert. Sie mochte Schafe, die waren so schön kuschelig. Also machten sie sich auf den Weg. Sie waren nicht alleine, viele, viele Menschen waren auch unterwegs, den Hirten mit seiner Schafherde zu sehen. Als sie endlich einen guten Platz gefunden hatten, da ging es auch schon los. Schafe, soweit das Auge reichte. Kleine Schafe, große Schafe, dicke Schafe, dünne Schafe, braune Schafe, schwarze Schafe und helle Schafe. Nele war begeistert. Sowas hatte sie noch nie gesehen. Und der Schäfer, der war auch interessant. Einen breiten Hut hatte er auf. Einen dicken Umhang hatte er um. Und in seiner einen Hand hatte er einen dicken Stecken. Den Hunden, die dabei waren, pfiff der Schäfer und sie machten dann scheinbar das, was sie sollten. Denn dann lobte sie der Schäfer: „Fein habt ihr das gemacht!“

Es dauerte nicht lange und die Schafherde war durchgezogen. Die Menschen machten sich auf den Rückweg, so auch Nele und ihre Oma.

Nele war begeistert von ihrem kleinen Ausflug, und fröhlich erzählte sie der Oma, was sie alles gesehen hatte und was sie sich dabei gedacht hatte.

Dann blieb die Oma auf einmal überraschend stehen und schaute die Nele an: „Sag‘ mal Nele, kennst du eigentlich den Psalm 23 aus der Bibel? Hat euch die Religionslehrerin schon mal was davon erzählt?“

Nele dachte nach und schüttelte dann den Kopf. „Nee, ich glaube nicht!“, sagte sie.

„Na dann wird es langsam Zeit. Ich finde, es ist der wichtigste Psalm in der Bibel, und er ist auch schon für Kinder gut zu verstehen“, erklärte die Oma.

Als sie zu Hause angekommen waren, gab es erst ein Glas Wasser für alle, und dann suchte die Oma die Bibel im Wohnzimmer. Und in der Bibel suchte sie den Psalm 23. Das ist gar nicht so schwer, denn er steht in etwa in der Mitte der Bibel.

Dann begann die Oma vorzulesen:

"Der Herr ist mein Hirte. Mir fehlt es an nichts. Auf saftig grünen Weiden lässt er mich lagern. Er leitet mich zu den Ruheplätzen am Wasser, dort erfrischt er meine Seele. Er führt mich gerecht durchs Leben. Dafür steht er mit seinem Namen ein. Und muss ich durch ein finsteres Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist an meiner Seite! Dein Stock und dein Stab schützen und trösten mich."

Bis hierher hatte Nele geduldig zugehört, doch dann platzt es aus ihr heraus: „So wie beim Hirten und seiner Herde vorhin. Der Hirte führt die Herde zu schönen, grünen Weiden. Er sorgt dafür, dass sie genügend Wasser finden. Er führt sie gerecht durchs Leben. Alle sollen gleich viel Futter finden. Das ist seine Aufgabe. Die Aufgabe des Hirten, wenn er das nicht richtig macht, dann muss er sich eine andere Aufgabe suchen!“ Nele ist ganz begeistert. „Die Bibel kennt sich gut mit Schafen, Herden und Hirten aus“, stellt sie fest.

Die Oma freut sich und schaut etwas verstohlen auf die Uhr. „Hast du noch keinen Hunger, Nele?“, fragt sie. „Oma, ein bisschen noch“, bettelt Nele. „Ich finde es gerade so interessant hier mit der Bibel und dem Psalm 23.“ „Meinetwegen“, meint die Oma, „dann essen wir halt später. Da geht ja nichts kaputt in der Zeit.“ Sie setzen sich auf das Sofa, die Bibel zwischen sich. Nun darf Nele vorlesen. "Der Herr ist mein Hirte. Mir fehlt es an nichts. Oma, was meint denn der Begriff ‚Herr‘?“, fragt sie. Das weiß die Oma: „Mit Herr ist in der Bibel ganz oft Gott gemeint.“ „Ach so, Gott ist mein Hirte. Mir fehlt es an nichts. Klar, Gott ist ja das Größte. So kann es sein, dass für alles gesorgt ist und mir nichts fehlt.“ Denkt Nele laut nach. Auf saftig grünen Weiden lässt er mich lagern. Er leitet mich zu den Ruheplätzen am Wasser, dort erfrischt er meine Seele. Den letzten halben Satz wiederholt sie gleich noch mal: „erfrischt er meine Seele.“ Nele hat Fragezeichen in den Augen. "Was meint das denn, Oma?“ „Gott erfrischt deine Seele. Das ist, wenn du traurig bist und wieder froh wirst, Nele.“ Erklärt die Oma. Das versteht Nele. Eifrig liest sie weiter. "Dafür steht er mit seinem Namen ein. Genau, sagt sie. Das ist versprochen, eine erfrischte Seele, Fröhlichkeit nach Kummer.“ Nele nickt zufrieden. Und muss ich durch ein finsteres Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist an meiner Seite! Dein Stock und dein Stab schützen und trösten mich." Begeistert schaut Nele die Oma an. "Das ist der beste Satz, was meinst du, Oma?“ Die Oma nickt. „Dieser Satz hat mir schon oft geholfen. Zum Beispiel damals, als der Opa gestorben war und ich ganz alleine hier am Sofa saß oder am Tisch oder im Bett lag. Das war ein finsteres Tal für mich. Ganz finster. Aber immer wieder habe ich die Sätze wiederholt. Denn du bist an meiner Seite! Dein Stock und dein Stab schützen und trösten mich."

Und irgendwann war es dann auch so. Ich war getröstet. Meine Seele erquickt. Die Trauer hat nachgelassen und ich hatte wieder Freude daran, mit dir meine Zeit zu verbringen. Aber jetzt, Nele, müssen wir kochen, sonst wird das nichts mehr mit unserem Essen.“ Die Oma steht auf und geht in die Küche und Nele hinterher.

Nächste Woche erzähle ich dir, das Ende von dem Psalm.

Ps 23, 1-4

2.5.2026

Weiter
Weiter

Durch Berührung nicht mehr taubstumm!