Durch Berührung nicht mehr taubstumm!
Letzte Woche waren wir ja bei Nele mit im Religionsunterricht. Heute sind wir auch wieder da.
Die Religionslehrerin beginnt im Sitzkreis mit einem Lied und dann erzählen die Kinder, was sie von der letzten Stunde noch wissen. Nele erinnert sich noch an die fremden Worte: „Talita kum!“ Und ihre Freundin Inge weiß noch, was sie auf Deutsch heißen: „Mädchen, ich sage dir: Steh auf!“ Genau, es ging ja um die kranke Tochter des Jairus, die dann auch noch stirbt, weil Jesus so lange mit den vielen Leuten beschäftigt ist. Doch das Mädchen steht auf und ist wieder lebendig. Und andere Kinder erinnern sich an die Frau, die das Gewand von Jesus berührt und gesund wird. „Frau, dein Glaube hat dir geholfen“, sagt er zu ihr. Und ein kleines Mädchen sagt ganz vorsichtig: „Es ging ums Unreinsein.“ Die Religionslehrerin nickt. „Ja, damals hat man gedacht, Kranke und Tote sind unrein. Die langt man gar nicht erst an. Und wenn man sie angelangt hat, dann hatte man bestimmte Vorschriften, die man einhalten musste, um selbst wieder rein zu werden. Jesus hat das ganz anders gesehen. Er fand Kranke und Tote nicht unrein.“
Das hatten die Kinder schon letztes Mal verstanden und nickten. Und ein Junge fragte keck: „Was machen wir eigentlich heute?“ Die Religionslehrerin sagt: „Ich erzähle euch wieder eine Geschichte von einem Kranken, dem Jesus begegnet. Dazu müssen wir erstmal über seine Krankheit nachdenken. Vielleicht habt ihr in eurer Familie einen Menschen mit Hörgerät?“
Da gehen die Finger hoch und die Kinder erzählen: „Die Oma hat eins, aber die tut es nie rein.“ Mein Opa hat eins, das hat er immer drin.“ „Meiner hat eins. Morgens hat er es an, und mittags, nach dem Mittagsschlaf, vergisst er es meistens, dann hört er fast nichts.“
Viele haben was zu erzählen. Es gibt auch Familienmitglieder, die eigentlich eins brauchen und so tun, als wäre es nicht notwendig.
Gemeinsam denken sie nach, wie das denn ist, wenn man schlecht hört. „Man muss immer nachfragen.“ „Man muss sehr genau aufpassen, manchmal kann man es an den Lippen ablesen.“ „Es ist nervig, wenn man alles dreimal sagen und erklären muss und dann immer noch nicht weiß, ob der andere es auch richtig verstanden hat.“ „Die Mama brüllt den Opa immer an. Das macht eine schlechte Stimmung, aber er hört halt nichts.“
Die Religionslehrerin ist zufrieden. „Genauso ist es mit schwerhörigen Menschen. Doch dann gibt es auch Menschen, die sind taub. Wisst ihr, was das ist?“
Ein Junge weiß es: „Ein tauber Mensch hört gar nichts. Es ist still um ihn.“
„Kinder, was meint ihr, wie das Leben für so einen tauben Menschen ist? Setzt euch in Gruppen mit drei Kindern zusammen und redet darüber. Was euch einfällt, schreibt ihr auf einen Haftzettel.“
Eifrig sind die Kinder bei der Sache. Und am Ende haben sie viele Zettel beschriftet.
In der Mitte des Sitzkreises wird gesammelt. „Die sind einsam.“ „Die können auch nicht reden, weil sie es ja nicht hören.“ „Wenn man mit einem Tauben in Kontakt treten will, muss man vor ihm stehen.“ „Es gibt sowas wie eine Zeichensprache, damit können sich Taube untereinander unterhalten.“ „Die können manchmal die Musik spüren. Wenn die Bässe so schön wummern.“
Alles stimmt. Die Religionslehrerin freut sich mit den Kindern. „Und was ist dann ein Taubstummer?“, fragt sie noch. Na, das ist einfach. Die Kinder erklären ihr: „Einer, der nicht hören und nicht reden kann.“ Jetzt kann sie ihre Geschichte gut erzählen. Die Kinder kennen sich mit Tauben und Taubstummen aus.
Also fängt sie an: „Jesus kommt in das Gebiet der 10 Städte. Da ist er immer mal wieder, doch nicht so oft. Als die Menschen ihn entdecken, freuen sie sich. Es werden immer mehr, die sich zu Jesus gesellen. Auch ein paar Menschen, die einen taubstummen Mann begleiten. Sie führen ihn bis zu Jesus. Der Mann würde gerne etwas zu Jesus sagen, doch das gelingt ihm nicht. Er gibt nur Gebrumme von sich. Doch seine Freunde reden für ihn: „Jesus, bitte lege unserem Freund deine Hand auf. Vielleicht kannst du ihn ja gesund machen?“
Jesus nickt. Er nimmt den Taubstummen an der Hand und führt ihn von dem Menschen weg. Er will mit ihm alleine und ungestört sein. Dann legt er in jedes Ohr des Taubstummen einen seiner Finger. Danach benetzt er einen seiner Finger mit seinem Speichel und berührt die Zunge des Taubstummen mit diesem Finger.“
„Iih!“, sagt da ein Mädchen, und andere verziehen das Gesicht. Doch die Lehrerin erzählt weiter: „Jesus schaut zum Himmel und seufzt und sagt dann ‚Effata!' das heißt: Öffne dich! Und sofort gehen dem Taubstummen die Ohren auf und seine Zunge löst sich. Er kann hören und sprechen. Von jetzt auf gleich.
Und wieder sagt Jesus zu den Menschen: Erzählt es nicht weiter. Doch die Menschen erzählten es weiter. Sie waren so erstaunt und froh, dass Jesus den Menschen so gut helfen kann.“
Es gibt eine kleine Pause, und dann dreht sich die Lehrerin zu dem Mädchen, das ‚Iih!' Gesagt hatte. „Was meintest du denn vorhin mit deinem ‚Iih‘?", fragte sie sie. Das Mädchen wird ein bisschen rot und stottert: „Das mit der Spucke, also das mit dem Speichel, das finde ich ekelig!“ Einige andere Kinder unterstützen sie und sagen: „Stimmt, das ist einfach eklig!“
Die Religionslehrerin nickt. Wir würden sagen, das ist unrein, das darf nicht sein. Doch wir haben ja schon in der letzten Stunde von Jesus gelernt, er ist da nicht so. Er hat keine Berührungsängste. Und ich denke, dem Taubstummen war es am Ende egal, er konnte hören und sprechen. Das alleine zählt für ihn.“
Nun ist die Stunde schon wieder um. Es wird eingepackt, das Abschiedslied gesungen, und dann ist der Unterricht zu Ende.
In der nächsten Woche geht es um den Psalm 23 – den kennst du vielleicht schon.
Mk 7, 31-37
25.4.2026