Durch Berührung gesund und lebendig!
Erinnerst du dich noch an Nele, die in ihrem Religionsunterricht immer wieder schöne Sachen erlebt.
Heute sind wir in dem Unterricht dabei. Die Religionslehrerin fängt wie immer ihren Religionsunterricht an. Gemeinsam wird ein Lied gesungen. Dann dreht sich die Religionslehrerin von der Klasse weg und holt etwas aus ihrer Tasche. Es raschelt und dauert eine Weile. Dann dreht sich die Religionslehrerin wieder zur Klasse um und alle staunen. Sie hat eine Maske auf und trägt dünne Plastikhandschuhe. Sie reckt die Hände in die Höhe, dass alle Kinder es sehen können. So steht sie da und wartet. Die Kinder staunen sie an und sind erstmal still. Dann fangen die ersten an, mit den Nachbarkindern zu tuscheln. Und dann, ja dann gehen die ersten Hände nach oben. Der Reihe nach dürfen alle sagen, was ihnen eingefallen ist und was sie denken. „Ach, sind sie krank?“, fragt ein Mädchen. Die Religionslehrerin schüttelt den Kopf. „Das war doch damals bei der Pandemie so!“ „Corona!“, ruft ein Kind dazwischen. „Das war blöd!“, sagt ein anderes Kind. „Da musste man immer Abstand halten und lüften und Tests machen“, erzählt ein anderes Kind.
Die Religionslehrerin ist zufrieden. Sie zieht ihre Handschuhe wieder aus und nimmt die Maske ab.
„Erinnert ihr euch noch?“, fragt sie dann. „Wie hat sich das angefühlt? Was war besonders schlimm?“ Wieder gehen viele Hände in die Luft und die Kinder erzählen. Nele erinnert sich auch noch. Eine Weile durfte sie die Oma nicht mehr besuchen, das war zu gefährlich für die Oma. Dann durfte man sich wieder treffen, aber lieber draußen als drinnen. Und Kuscheln, das war gar nicht erwünscht. Es war eine blöde Zeit. Das alles fiel Nele wieder ein. Um sie herum erzählten die anderen Kinder ähnliche Sachen. Doch ein Kind erinnert sich auch an etwas Gutes. Die anderen hören genau hin. Es erzählt: „Während Corona konnte mich meine eine Tante nicht mehr küssen. Das fand ich immer furchtbar. Die hat gar nicht darauf geachtet, dass ich das nicht mag. Und dann durfte sie es nicht mehr. Da war ich froh.“ „Und wie ist es jetzt?“, fragt die Religionslehrerin. „Sie hat es sich abgewöhnt und ich bin weiterhin froh!“, erzählt das Kind.
Die Religionslehrerin freut sich mit dem Kind. „Ja, du hast uns ein gutes Beispiel gegeben, dass alle Dinge zwei Seiten haben können. Körperliche Nähe kann froh machen, aber auch sehr anstrengen. Habt ihr Beispiele, wo körperliche Nähe froh macht?“ Wieder fliegen die Hände in die Luft. „Wenn man getröstet wird, wenn man sich wehgetan hat.“ Wenn man krank ist und jemand am Bett sitzt und einen streichelt.“ „Wenn man kitzelt und gekitzelt wird!“ Viele Beispiele gibt es. Alle sind dabei.
Die Religionslehrerin lässt alle ausreden und dann erklärt sie: „Ich will euch heute eine Geschichte von Jesus erzählen, dabei geht es auch um Berührung. Als wir in der Zeit der Pandemie uns nicht die Hand gegeben haben, oder Plastikhandschuhe anziehen mussten, als wir nicht mit der Oma kuscheln konnten, da hatten wir Angst, dass wir uns den Coronavirus bekommen oder weitergeben. Zur Zeit Jesu war das anders. Da war man vorsichtig, weil man Angst hatte, dass man unrein wurde. Unrein sein, so stellte man sich das vor, trennt einen von Gott. Doch Jesus sah das ganz anders. Ich erzähle euch eine Geschichte dazu. Jesus ist mit seinen Freunden und Freundinnen mit dem Boot über den See gefahren. Da standen schon viele Menschen und warteten auf ihn. Und mitten drin war Jairus, er war der Synagogenleiter im Ort. Er stürzte auf Jesus zu, kniete vor ihm nieder und flehte ihn an: „Jesus, du musst kommen. Meine Tochter liegt im Sterben. Leg du ihr deine Hände auf, dann wird sie gerettet und am Leben bleiben.“ Klar, dass da Jesus mitging. Die vielen Menschen, die auf Jesus gewartet hatten, gingen auch mit. Eine Frau war darunter, die war schon viele Jahre krank. Kein Arzt konnte ihr bislang helfen. Sie hatte von den Wundertaten Jesu gehört und dachte sich: „Wenn ich nur sein Gewand berühre, dann wird mir das helfen und ich werde gesund.“ Gedacht, gemacht! Sie drängt sich in die Nähe von Jesus. Berührt sein Gewand und spürt sofort: Die Krankheit wird kleiner, sie verlässt die Frau. Jesus hat die Berührung gemerkt und schaut sich um und fragt: „Wer hat gerade mein Gewand berührt?“ Die Frau wird rot und zittert. Sie geht zu Jesus und kniet sich vor ihn. Sie erzählt ihm von ihrer Krankheit und von ihren Gedanken. Jesus sagt zu ihr: „Frau, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Du bist von deiner Krankheit befreit.“
Während Jesus mit der Frau noch redet, da kommen einige Menschen aus dem Haus des Jairus. Es ist sofort klar, da ist was Dramatisches geschehen. „Jairus, deine Tochter ist gestorben. Jesus braucht nicht mehr zu kommen“, riefen sie.
Jesus hat das auch gehört und er sagt zu Jairus: „Hab keine Angst, Jairus. Glaube nur weiter.“ Zu den vielen Menschen sagt er: „Ihr wartet hier.“ Dann ging er mit ein paar seiner Freunde in das Haus. Da herrschte große Aufregung. Es war ein Jammern und Klagen und Weinen. Jesus schaute sich die Aufregung an und fragte: „Warum weint ihr? Das Kind ist nicht tot, es schläft nur.“ Das fanden die anderen in dem Haus blöd. Sie lachten ihn aus: „Wir wissen, was es heißt, tot zu sein, Jesus!“
Jesus schickte sie alle aus dem Haus. Nur die Mutter des Mädchens, den Vater und seine paar Freunde durften bleiben. Dann schauten sie in den Raum, in dem das Mädchen lag. Jesus ging zu dem Mädchen. Er nahm ihre Hand und sagte: Talita kum! Das heißt in unsere Sprache übersetzt: Mädchen, ich sage dir: Steh auf!
Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Alle staunten. Jesus sagte noch zu ihnen: „Erzählt niemand etwas davon. Und: gebt ihr was zu essen!“
Damit war die Religionslehrerin mit der Geschichte fertig. „Was haben die Menschen in dem Haus nicht gemacht?“, war ihre nächste Frage. Das wussten die Kinder: „Die haben es weitererzählt, sonst wüssten wir es heute nicht!“
Die Religionslehrerin ist erfreut. „Genauso ist es! Und was uns heute nicht klar ist, ist, dass Jesus weder einen toten Menschen hätte anrühren dürfen, noch die kranke Frau Jesus. Beides galt als unrein. Jesus scheint das egal gewesen zu sein. Er sagt kein Wort dazu."
Jetzt muss sich die Religionslehrerin beeilen, gleich ist die Stunde rum. Also müssen die Kinder schnell einpacken. Es gibt noch ein Abschiedslied und schon sind Nele und ihre Freundin Inge auf dem Heimweg. Sie erzählen sich, wo sie Berührungen gut finden, oder eben auch blöd.
Nächste Woche geht es bei Nele im Religionsunterricht nochmals ums Berühren und eine Jesusgeschichte.
Mk 5, 21-43
18.4.2026