Auf dem Weg nach Emmaus

Ich bin Kleopas. Mein Freund und ich waren die letzten Tage mit in Jerusalem. Ich hatte es mir so schön vorgestellt, mit Jesus das Passahfest in Jerusalem zu feiern, im Tempel zu beten und über die heiligen Schriften zu reden. Und dann kam es ganz anders. Nach unserem Abendessen am Donnerstag wurde Jesus von den Tempelwachen festgenommen und vom Rat der Priester verhört. Und, es ging unglaublich schnell: Am Freitagmittag schon war er von Pontius Pilatus, dem römischen Chef der Stadt, verurteilt. Er tat das zwar widerwillig, aber Jesus war verurteilt, zum Tod am Kreuz. Und dann mussten sich alle beeilen, denn am Sabbat ruht ja das Leben in Jerusalem. Da geht man zum Gottesdienst und dann bleibt man bei seiner Familie. Mein Freund und ich waren den Sabbat über noch bei den Freunden und Freundinnen von Jesus geblieben. Wir haben uns gegenseitig getröstet und von vielen schönen Erlebnissen mit Jesus geredet. Was man halt so macht, wenn jemand plötzlich tot ist. Doch dann brach am Sonntag eine allgemeine Hektik aus. Einige Frauen rüsteten sich schon früh am Morgen, um zum Grab von Jesus zu gehen und ihn mit wohlriechenden Ölen einzureiben.

Mein Freund und ich hatten am Abend besprochen, dass wir wieder zurück in unser Dorf gehen nach Emmaus. Wir räumen unsere Sachen zusammen und sind gerade bereit aufzubrechen, da stürzen die Frauen zu uns in unsere Herberge und erzählen, dass Jesus nicht mehr im Grab liegt. Ein Engel hätte mit ihnen geredet und der hätte gesagt: 'Jesus lebt!' Gleich sind einige losgezogen von den Männern, um zu schauen, was los ist am Grab. Auch die kamen wieder und erzählten von dem leeren Grab.

Jetzt machten wir uns endgültig auf den Weg. Wir hatten eine Strecke von 10 km zu bewältigen, doch der Weg zog sich. Mit unseren traurigen Gedanken, mit unseren hängenden Köpfen schlurften wir den Weg entlang. Wir waren nicht nur traurig, sondern auch durcheinander. Wir hatten so viel zu bedenken und verstanden nichts. Tot! Nicht tot?

Viele andere Menschen überholten uns. Sie waren viel schneller.

Und dann spricht uns einer an: „Ja, was ist denn mit euch los? Ihr seht traurig aus.“

„Ja, wir sind auch traurig“, sage ich und wir bleiben stehen. „Weißt du denn nicht, was in diesen Tagen in Jerusalem geschehen ist?“ Frage ich zurück. Der weiß es scheinbar wirklich nicht. Er fragt: „Was denn?“

„Na, das mit Jesus aus Nazareth? Der großartige Prophet, der so gut von Gott erzählen konnte. Nein, nicht nur erzählen, er konnte Wunder wirken, Kranke heilen, Brot vermehren. Und jetzt ist er tot, verurteilt, am Kreuz hingerichtet, wie ein Schwerverbrecher. Wir, seine Freundinnen und Freunde, hatten gehofft, und geglaubt, dass dieser Jesus von Nazareth der erwartete Retter Israels ist. Doch nun ist heute schon der dritte Tag nach seinem Tod. Und heute Morgen kamen Frauen von Jesu Grab und erzählten, dass es leer ist und ein Engel zu ihnen gesagt hat: 'Jesus ist auferstanden!' Jetzt hatte ich ja lange und ausführlich erzählt, warum wir so waren, wie wir gerade waren.

 

Der Mann, der uns angesprochen hatte, fing jetzt zu reden an: „Warum seid ihr so begriffsstutzig? Warum versteht ihr nicht, was passiert ist? Ihr habt es doch schon bei den Propheten in den Heiligen Schriften gelesen. Christus musste das alles erleiden, um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen.“ Und der Mann begann uns ausführlich zu erklären, was alles in der Thora über den Christus steht. Er begann bei Mose und kam dann bis zu den Propheten. Wir redeten und redeten. Wir fragten und er erklärte.

Und so kamen wir dann in Emmaus an. Zwischenzeitlich wurde es schon Abend. Der Fremde tat so, als wollte er seinen Weg alleine fortsetzen. Doch wir drängten ihn, bei uns zu bleiben. Wir sagten zu ihm: „Bleibe doch bei uns! Es ist fast Abend und der Tag geht zu Ende!“

Und er ging mit uns ins Haus und blieb. Wir setzten uns zum Essen nieder. Da nahm er, wie der Hausherr es eigentlich macht, das Brot, brach es in Stücke und sprach das Dankgebet und gab es uns.

Und da, da geschah es dann. Wir erkannten ihn! Jesus!

Er war den ganzen Weg mit uns von Jerusalem nach Emmaus gelaufen. Er hat uns die ganze Zeit erklärt, warum es so und nicht anders sein konnte. Es musste alles so sein, wie es geschehen war, die Heiligen Schriften haben es genauso schon lange erzählt.

Wir sprangen auf, wir wollten ihn bestürmen und festhalten. Doch Jesus verschwand vor unseren Augen.

Mein Freund und ich schauten uns an. „Kann das denn möglich sein, dass wir ihn nicht auf dem Weg erkannt haben?“, fragte ich ihn. Und er sagte: „Brannte nicht unser Herz vor Begeisterung, als er unterwegs mit uns redete und alles erklärte?“

Und was machen wir jetzt?

Wir machten uns auf den Weg nach Jerusalem. Wir hatten es eilig. Die anderen sollten alle wissen, was wir erlebt haben.

Es war späte Nacht, als wir in Jerusalem ankamen. Die Freunde und Freundinnen waren noch auf. Begeistert erzählten sie uns, dass Simon Jesus gesehen hat. Und dann erzählten wir, was uns geschehen ist, und dass wir Jesus erst beim Brotbrechen erkannt hatten.

Was für ein Tag!

 

Nächste Woche erzähle ich dir, wie Jesus durch eine Berührung alles verändert. 

Lk 24, 13-35

11.4.2026

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