Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? (Kopie)

Puh, was für ein Tag liegt hinter mir! Was sage ich? Tag, nein Tage! Erst die Sorge um Jesus, als er am Donnerstagabend am Ölberg gefangen genommen wird. Dann der entsetzliche Freitag, an dem er nach vielen Verhören gekreuzigt wurde und schnell noch in das Felsengrab gelegt wurde. Dann der lange, traurige Sabbat am Samstag. Jesus ist tot, alle Hoffnung weg. Und wir seine Freundinnen und Freunde haben Angst, dass wir vielleicht auch verfolgt, oder verhaftet werden. Und jetzt also der Sonntag. Einige von uns Frauen haben sich vorgenommen, dass wir nach Sonnenaufgang, da ist dann der Sabbat – unser Feiertag – vorbei, zum Felsengrab gehen und Jesus mit duftenden Ölen einreiben wollen. Das ist hier so Brauch, das wollen wir auch tun. Natürlich ist es ein komisches Gefühl, zum Grab zu gehen und den Toten „einzucremen“. Das kostet schon auch Überwindung. Was soll's, haben wir uns gedacht, das schaffen wir schon. Und unsere Freunde haben sich eh nicht vorgedrängelt und gesagt: Machen wir schon. Also machen wir uns in den frühen Morgenstunden auf den Weg. Es ist noch nicht heiß und eigentlich ein schöner Tag, wenn unser Ziel nicht das Grab von Jesus wäre. Wir sprechen wenig miteinander auf dem Weg. Jede hängt ihren Gedanken nach. Vielleicht hat jede von uns auch den Gedanken im Kopf: „Wie können wir das Grab öffnen? So ein Felsen vor der Tür ist schwer wegzurollen.“

Und als wir da dann ankommen. Da ist das erste Problem schon gelöst, der Stein ist weggerollt, das Grab ist offen. Behutsam und vorsichtig gehen wir in die Grabkammer. Wir sehen die Steinplatte, auf der die Leiche Jesu liegen müsste. Aber wir finden Jesus nicht. Das ist ja verwunderlich. Was kann geschehen sein? Hat jemand den Leichnam weggenommen? Doch dann treten zwei Männer mit leuchtenden Gewändern zu uns. Wir sind noch mehr erschrocken und trauen uns gar nicht, richtig hinzuschauen. Da fängt einer der Männer zu sprechen an:

„Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier: Gott hat ihn von den Toten auferweckt! Erinnert euch an das, was er damals in Galiläa zu euch gesagt hat: Der Menschensohn muss ausgeliefert werden in die Hände der Sünder und am Kreuz sterben. Aber am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.“

Und dann waren sie weg, die leuchtenden Männer. Und wir standen in dem leeren Grab und schauten uns an.

„Von den Toten auferweckt!“, flüstert eine von uns. „Ja!“, sagt eine andere: „Er ist nicht hier!“ Und ich denke nach: „Stimmt, er hat uns erzählt, dass er am Kreuz sterben muss und am dritten Tag von den Toten auferstehen wird“, sage ich.

Eine nimmt ihre Finger zu Hilfe. „Am Freitag ist er gestorben. Freitag, Samstag und heute ist Sonntag, der 3. Tag.“ „Wir haben es vergessen!“, sage ich. „Einfach vergessen! Wer hält sowas auch für möglich?“

Wir machen uns auf den Rückweg. Wir gehen zu den Männern. Die schauen uns verdutzt an. „Was, ihr seid schon hier? „Eure Öle habt ihr auch noch dabei?“

Wir erzählen ihnen, was wir erlebt haben. Wir erzählen es ihnen genau und ausführlich.

Doch was machen die? Die halten uns für übergeschnappt, verwirrt, durcheinander. Sie denken, wir haben uns eine Geschichte ausgedacht.

Das macht mich wirklich wütend. Sie bleiben schön zu Hause in Sicherheit in unserem Quartier in Jerusalem. Wir machen uns auf den Weg, Jesus die letzte Ehre zu erweisen, sie nicht. Und dann glauben sie uns nicht, was wir erlebt haben.

Einer, der Petrus, das ist ja der, den sein Mut verlassen hat, als Jesus gefangen genommen wurde, der will jetzt wohl nichts falsch machen. Petrus macht sich auf den Weg zum Grab, so wie wir Frauen heute Morgen. Und als er wieder zurückkommt, erzählt er, dass das Grab leer ist, einzig ein Tuch hätte er da gefunden, wohl das Leichentuch. Verwundert fragt er sich und uns: „Was ist da wohl geschehen?“

Wir erzählen ihm nochmal, was der eine leuchtende Mann gesagt hat.

„Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier: Gott hat ihn von den Toten auferweckt! Erinnert euch an das, was er damals in Galiläa zu euch gesagt hat: Der Menschensohn muss ausgeliefert werden in die Hände der Sünder und am Kreuz sterben. Aber am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.“

Petrus nickt: „Ja, heute ist der dritte Tag! Doch wie geht es weiter?

Ein verrückter Tag und immer noch viele Fragen.

Nächste Woche geht es weiter mit einer Geschichte des auferstandenen Jesus.

 Lk 24, 1-12

4.4.2026

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