Zwei Söhne - was sie sagen und was sie tun

Die Jesus-Detektive, Esther und Simon, kennst du ja schon.

Heute ist Ernte des Feigenbaums. Alle sind schon etwas aufgeregt und etwas zeitiger aufgestanden. Wenn man schon am frühen Morgen mit der Ernte anfängt, ist es gut, denn dann ist es noch kühler von der Nacht. Der Vater, Micha, hatte ja gesagt, dass die Kinder bei der Feigenernte wichtig sind, da alle Früchte auf die Dachterrasse getragen werden müssen. Da sollen sie dann, auf Brettern aufgereiht liegen und in der Sonne trocknen. Wenn sie dann richtig durchgetrocknet sind, werden sie in einen Tonkrug gelegt und dieser wird verschlossen. Feigen sind ein wunderbares Süßungsmittel, und alle freuen sich schon, wenn sie dann das nächste halbe Jahr immer wieder eine Speise von der Mutter oder Oma gekocht bekommen und darin Feigen entdecken.

Nun sollte es aber losgehen. Mutter und Oma pflückten die Feigen von den unteren Ästen. Der Vater hatte eine Leiter an den Baum gelehnt und begann, die Früchte oben im Baum zu ernten. Esther und Simon bekamen die gefüllten Körbe in die Hand gedrückt, um die Feigen nach oben zu bringen. Dort kontrollierten sie die Feigen. Nur unversehrte Feigen durften zum Trocknen ausgelegt werden. Hatte eine Feige einen Riss oder eine andere Verletzung, musste sie wieder mit nach unten genommen werden. Feigen mit Verletzungen zogen Insekten an. Und die sollten sich auf dem Dach nicht willkommen fühlen. Es war eine verantwortungsvolle Aufgabe und Simon stöhnte manchmal, weil er sich nicht entscheiden konnte. Prima Feige für das Dach – oder doch eine Feige zum baldigen Aufessen?

So war die Familie eine Weile beschäftigt. Gegen Mittag waren sie fertig mit ihrer Arbeit und stolz auf die Ausbeute. Sogar die Oma war mit auf das Dach geklettert und hat sich die vielen aufgereihten Feigen angeschaut und die Kinder gelobt, wie ordentlich sie ihre Aufgabe gemacht hatten.

Dann war Mittagspause. Sie setzten sich in den Schatten des Feigenbaums, tranken kühles Wasser und aßen von den Feigen, die aussortiert worden waren. Sie waren alle guter Stimmung. Und der Vater erklärte den Kindern, dass sie für heute genug geholfen hätten und nun bis zum Abendessen frei hätten.

Simon strahlte. Er wusste sofort, wo er hinwollte. Die anderen wussten es auch: Zum Töpfer. Esther wusste nicht, was sie machen sollte. Dann hörte sie, dass die Oma und die Mutter zum Fluss gehen wollten zum Baden. Da wollte sie gerne mit dabei sein. Fröhlich zogen sie miteinander los. Der Vater blieb noch etwas im Schatten sitzen. Er genoss die Ruhe.

Als sie sich kurz vor dem Abendessen wiedertrafen, da hatte Simon Neuigkeiten für Esther. Wie immer, an der Hauswand im Schatten, erzählte Simon ganz aufgeregt: „Jesus sagt: Nicht was man sagt, ist wichtig, sondern was man tut!“

„Aha“, dachte Esther, „und was bedeutet das?“ Simon zuckt mit den Schultern. Er weiß es auch nicht. Esther denkt nach: „Also, ich sage heute, ich hole morgen früh das Trinkwasser, und tue es dann doch nicht, meint es sowas?“ Simon zuckt wieder mit den Schultern. Also ist klar: Die Jesus-Detektive müssen sich morgen noch weiter umhören.

Am anderen Tag ist Simon eifrig dabei, schon bald mit seinen Aufgaben in der Familie fertig zu sein, er wollte sich ja wieder beim Töpfer umhören.

Und Esther ist es ganz recht, dass sie an diesem Morgen dreimal zum Brunnen geschickt wird, um Wasser zu holen. Am Brunnen gab es die besten Neuigkeiten, normalerweise. Diesmal muss sie sich aber in Geduld üben. Doch beim letzten Gang zum Brunnen, da hört sie was, was zu dem Satz von Simon passt. Sie freut sich. Da wird Simon staunen, was sie da gehört hat.

Als es Zeit für das Abendessen wird, treffen sie sich wie immer an ihrem Stammplatz. Simon schaut nicht erfolgreich aus, sieht aber Esther an, dass sie Neuigkeiten hat. Und schon fängt sie an zu erzählen: „Jesus hat eine Geschichte erzählt von einem Mann, der zwei Söhne hatte. Da ging er zu dem ersten Sohn und sagte: ‚Geh, mein Sohn, und arbeite heute in unserem Weinberg!‘ Und der Sohn antwortete: ‚Ich will nicht!‘ Später tat es ihm dann leid und er ging doch hin. Genauso bat der Vater seinen zweiten Sohn. Der antwortete: ‚Ja, Herr!‘ Aber er ging nicht hin. Und die Frage zum Schluss ist: Wer von den beiden Söhnen hat getan, was der Vater wollte?“

Simon platzt gleich heraus: „Na, der erste. Der hat im Weinberg was gearbeitet. Der andere nicht. Und der Vater wollte ja, dass im Weinberg gearbeitet wird.

Und dann macht Simon noch sein schlauestes Gesicht und grinst: „Jesus sagt: Nicht was man sagt, ist wichtig, sondern was man tut! Jetzt verstehe ich, dazu gehört der Satz.

Du kannst dir vorstellen, dass es wieder ein Abendessen mit viel Gesprächsbedarf gibt. Erst erzählen die Kinder von dem Jesussatz, dann die Geschichte dazu. Der Vater ist gleich ganz aufgebracht. Man kann doch nicht sagen, man geht, und dann geht man nicht. Wie soll sich ein Vater da auf seine Söhne verlassen? Und auch den zweiten Sohn findet er nicht in Ordnung. Da bittet der Vater um Hilfe und er hat scheinbar keine Lust. Nun gut, er macht es dann doch, aber …

Lange reden sie beim Essen. Simon erinnert sich wieder an die Geschichte mit dem Versteckspielen, wo er sich so gefreut hatte und der Junge ihn hereingelegt hatte.

Die Oma hatte dem Gespräch zugehört und wenig dazu gesagt. Zum Schluss meinte sie: „Man muss halt immer genau bedenken, was man sagt und was man tut. Alles kann so viel Unheil anrichten oder halt auch die Menschen untereinander erfreuen. Wir müssen achtsam sein mit dem, was wir sagen oder tun. Das müssen Kinder und Erwachsene und auch alte Leute, so wie ich. Es ist gut, dass Jesus das den Menschen erklärt hat.“

Das war dann das Schlusswort für das Abendessen. Und du weißt schon, was kommt: Aufräumen, Schlafmatten ausrollen und ab unter die Decke. Gute Nacht! 

Nächste Woche geht es um den Gedanken: Bei Gott zu Hause.

Mt 21, 28-31a

11.7.2026

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Die Goldene Regel