Gotteshaus ein Zuhause
Nele ist heute mit dem Religionsunterricht unterwegs zur Kirche. So einen Ausflug machen sie manchmal. Sie waren schon mal am Friedhof, daran erinnert sich Nele noch. Der Friedhof ist um die Kirche herum, deshalb kennt die Unterrichtsgruppe auch schon den Weg. Alle sind gespannt, was sich die Religionslehrerin für diesen Ausflug ausgedacht hat. Und ganz so spannend fanden sie das Ziel eigentlich. Kirche, na ja, die kannten sie ja von den Schulgottesdiensten. Altar, Kanzel, Kerzen, Empore, Orgel. Alles irgendwie bekannt. Aber ein Unterrichtsgang ist immer spannender als einfacher Unterricht. Also war die Stimmung gut. Bei manchen auch übermütig, und die Religionslehrerin musste daran erinnern, dass man auf dem Gehsteig geht. Aber das wussten sie alle schon, und machten es dann wieder ordentlich.
Dann waren sie am Friedhof angekommen und standen vor der Kirche.
Die ersten drängelten sich schon an der großen Tür. Doch die Religionslehrerin wollte erstmal, dass sich alle so hinstellten, dass sie zum Turm hochschauen konnten. – Und still sollten sie auch sein. Wer was entdeckte, sollte sich melden.
Da standen sie also schweigend da, die Köpfe in den Nacken gelegt, und schauten. Und schauten. Und schauten. Langsam begann bei einigen Kindern schon der Nacken zu schmerzen. Und langweilig wurde es auch. Doch dann geschah etwas. Ein Vogel, ein schneller, flog zum Turm und verschwand darin. „Pssst“, sagte die Religionslehrerin, „bleibt still und wartet noch eine Weile.“ Brav machten die Kinder mit. Und dann, ganz plötzlich, kam der Vogel wieder aus dem Turm herausgeflogen.
Jetzt durften sich die Kinder bewegen und wieder miteinander sprechen. „Da ist ein Vogel rein und wieder herausgeflogen!“, sagte ein Kind für alle. „Wohnt der da?“, fragte ein anderes. „Ja“, sagte die Religionslehrerin, „die wohnen da. Es ist ein
Turmfalkenpärchen, die da ihr Nest haben, und einer von ihnen hat gerade das, oder die, Jungen gefüttert. Es wird sicherlich nicht lange dauern und es kommt wieder ein Turmfalke angeflogen.“ Und wirklich, so war es. Schon flog wieder ein Vogel heran und verschwand im Turm. Die Kinder waren eifrig beim Schauen, und schon kam der Vogel wieder und flog aus dem Turm heraus.
„So, Kinder, jetzt haben wir schon was Wunderbares entdeckt am Gotteshaus – so kann man zur Kirche auch sagen. Wir gehen jetzt hinein, setzen uns in die ersten beiden Bänke und dann reden wir – und schauen geradeaus, sodass sich unser Nacken wieder erholt.“
So machen sie das. Die Religionslehrerin erzählt, dass den Menschen, die immer die Kirche auf- und zuschließen, die Turmfalken aufgefallen sind. Sie waren dann mal auf den Turm gestiegen und haben das entstehende Nest entdeckt. Jetzt gerade ist der Turm gesperrt. Da darf keiner hoch. Die Turmfalken sollen in Ruhe ihre Jungen aufziehen können. Das finden die Kinder gut.
„Doch nun wollen wir uns die Kirche noch innen anschauen. Ich habe Musik dabei, die spiele ich jetzt ab, und ihr geht ruhig durch den Raum. Jede und jeder sucht sich einen Lieblingsplatz in der Kirche. Einen Platz ganz für sich alleine. Such ihn dir aus. Probiere ihn aus. Und wenn ich dann die Klangschale anschlage, dann kommen wir wieder zurück in die ersten beiden Reihen.“ So machen das die Kinder und es geht wirklich ganz gesittet zu.
Nele hat sich einen Platz auf der Empore gesucht. Sie sitzt an der Seite und sieht in die eine Richtung weiter unten den Altar und das Kreuz und in die andere Richtung die Orgel mit ihren vielen Orgelpfeifen. Inge, die Freundin von Nele, ist auch mit auf die Empore geklettert. Aber sie hat sich einen Platz ganz hinten gesucht, nahe an einem Fenster. Da fällt gerade die Sonne herein und das Glas schimmert bunt.
Als alle ihren Platz gefunden haben, ruft die Klangschale sie wieder zurück in die ersten beiden Reihen. Gegenseitig erzählen sie sich, was für sie an ihrem Platz besonders war. Alle waren einer Meinung: Die Kirche ist ein guter Ort, um sich zu Hause zu fühlen. Das Gotteshaus ist ein Schutzraum. Hier darf einem keiner etwas Böses tun. Ein Raum der Geborgenheit.
Dann gibt es eine gemeinsame Aufgabe. Die Religionslehrerin hat Textstreifen vorbereitet zu einem Psalm, die sollen die Kinder zusammenfinden. Damit es nicht gar zu schwer ist, hat die Religionslehrerin immer einen Vers in einer Farbe gedruckt. 9 Farben.
Und dann haben sie es geschafft. Vor dem Altar liegt der ganze Text.
Die Religionslehrerin erklärt noch, dass sie den Psalm-Text vereinfacht hat, damit die Kinder ihn auch verstehen. Und dann wird er vorgelesen.
„Wir freuen uns über dein Haus, Gott. Ich habe es kaum erwarten können, in deinem Haus zu sein. Jetzt bin ich endlich da und freue mich über dein Haus. Auch die Vögel haben in deinem Haus einen sicheren Platz für ihre Nester gefunden. Glücklich sind die, die in deinem Haus wohnen und arbeiten. Glücklich sind die, die in deinem Haus Schutz suchen und finden. Ein Tag in deinem Haus ist das Beste. Ich habe noch nichts Besseres erlebt. Du, Gott, beschützt uns. Du, Gott, sorgst für uns. Glücklich ist der Mensch, der dir vertraut, Gott.“
Es wird Zeit, dass sich die Religionsgruppe wieder auf den Rückweg macht. Bevor sie den Friedhof verlassen, schauen sie alle nochmals zum Turm. Und wirklich, da ist schon wieder ein Turmfalke unterwegs.
Nele freut sich darauf, zu Hause von den Turmfalken zu erzählen. Vielleicht gehen sie ja mal mit dem kleinen Paul nach den Vögeln schauen.
Nächste Woche geht es weiter um den Gedanken: Bei Gott zuhause.
Ps 84, 2-6 + 11-13 Textübertragung von Ps 84 von Sara Widmann
18.7.2026