Jeremia trägt ein Joch und ein falscher Prophet tritt auf
Mich kennst du, ich bin der Prophet Jeremia. Propheten bringen Nachrichten von Gott zu den Menschen. Mein letzter großer Auftritt liegt schon einige Zeit zurück. Ich habe einen großen Tonkrug zerschlagen und gesagt: „So geht Gott mit seinem Volk um." Keiner will es hören. Keiner ändert sein Leben.
Nun habe ich einen neuen Auftrag von Gott bekommen. Ich soll mir ein Joch bauen. Ein Joch für einen Menschen, wie soll das denn gehen? Ochsen tragen ein Joch, um den Pflug oder den Karren zu ziehen. Ich soll, so hat es mir Gott aufgetragen, aus einer Stange und aus Stricken ein Joch für mich machen.
Also suche ich einen Stecken aus Holz, dicke Stricke, und fange an, beides miteinander so zu verbinden, dass ich es mir über den Nacken und die Schultern legen kann. Komisch schaut das aus – finde ich.
Als das Joch fertig ist, kriege ich den Auftrag, wo ich mit ihm auftreten soll. Es ist eine Versammlung wichtiger Politiker. Sie vertreten die Könige der Nachbarstaaten. Aller Nachbarstaaten. Du weißt ja, ich rede nicht so gerne. Ich lese und schreibe lieber. Früher, da war ich in so einer Gruppe von Männern, die das auch gerne machten. Damals hatte ich einen Freund, Baruch. Der war gerade als Schreiber ausgebildet worden und hat eine Stelle am Königshof bekommen. Allerdings nicht in unserer Hauptstadt, er war unterwegs in den Nachbarländern. Er führte Verhandlungen und schrieb die Abmachungen auf. So konnte man sie jederzeit wieder nachlesen. Und als ich zur Versammlung der wichtigen Politiker ging, da treffe ich ihn wieder, meinen alten Freund Baruch. Der hat vielleicht gestaunt, als er mich so sah, mit meinem Joch. Und als er dann hörte, welche Worte ich im Auftrag von Gott sagte, da ist ihm der Mund offen stehen geblieben. Solche Worte hat er noch nie gehört. Harte Worte:
„Nachricht von dem Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat. Ich übergebe alles dem, der in meinen Augen der Richtige ist – dem König von Babylon. Er ist mein Knecht. All eure Völker sollen dem König von Babylon dienen, und später seinem Sohn und seinem Enkel. Alle müssen, so wie ihr es an mir seht, unter dem Joch von Babylon stehen. Verweigert sich ein Land, so wird es von Gott mit Krieg, Hunger und Krankheit bestraft. Und noch etwas: Glaubt nicht den Propheten, die behaupten, ihr werdet dem babylonischen König nicht dienen. Wenn ihr euch an meine Worte haltet, dann werdet ihr für eure eigenen Länder arbeiten. Ihr werdet dort wohnen und eure Felder bestellen.“
So habe ich vor der Versammlung gesprochen. Du weißt, wie schwer mir Reden fällt. Doch nicht genug damit. Zum König musste ich gehen und es ihm nochmals erklären. Ich sagte ihm: „Dient dem babylonischen König und seinem Volk, und beugt euren Nacken unter sein Joch! So werdet ihr am Leben bleiben! Oder willst du und das ganze Volk sterben? Soll Krieg, Hunger und Krankheit kommen?“
Selbst zu den Priestern bin ich gegangen und habe mit ihnen geredet: „Hört auf meine Worte. Glaubt nicht den falschen Propheten. Dient dem babylonischen König – so werdet ihr leben! Noch könnt ihr im Tempel Gottesdienste feiern. Noch habe ihr alles, was ihr dazu braucht. Dient ihr dem babylonischen König nicht, wird er kommen und alle heiligen Sachen aus dem Tempel holen und nach Babylon bringen. So spricht Gott, der Herr!“
Und dann kam es zu einer unschönen Begegnung. Ich war die ganze Zeit mit meinem Joch unterwegs. Da traf ich auf Hananja. Er sagte von sich, dass er ein Prophet Gottes sei. Als er mich traf, stellte er sich wichtig in die Mitte und begann, im Namen Gottes zu reden: „Gott wird das Joch des babylonischen Königs zerbrechen. Er wird alles rückgängig machen. Keine Angst mehr vor Babylon. Kein Krieg, kein Hunger, keine Krankheit.“
Du wirst verstehen, dass ich mir das nicht einfach anhören konnte und weitergehen. Ich begann zu reden: „Amen, so sei es!“, sagte ich. „Gott möge es tun. Ich würde mich freuen, wenn es so käme. Doch höre gut zu, Hananja. Es gab schon immer Propheten und man hat an dem Eintreffen ihrer Weissagungen im Nachhinein erkannt, ob sie Gott geschickt hat. Es muss passieren, was der Prophet in Gottes Namen sagt.“
Frech ergreift da Hananja mein Joch. Nimmt es mir von der Schulter und zerbricht die Stange. Dazu sagt er: „So spricht Gott. Genauso werde ich das Joch des Königs von Babylon zerbrechen, das er uns allen auferlegt hat. Gott befreit alle Völker von der babylonischen Herrschaft!“
Ich bin gegangen. Ich habe es nicht mehr ausgehalten.
Doch Gott schickte mich gleich wieder zu Hananja. Ich sollte ihm eine Nachricht von Gott ausrichten. Also machte ich das. Das war die Nachricht: „Die Stange aus Holz hast du zerbrochen. Du bist dafür verantwortlich, dass es jetzt eine Stange aus Eisen gibt. Eine unzerbrechliche Joch-Stange. Dieses Joch lege ich auf den Nacken aller Völker. Über sie alle wird der babylonische König herrschen. Und Hananja, du bringst das Volk durcheinander. Du redest nicht wahrhaftig. Du benutzt Gott zu deinem Vorteil. Gott wird dich noch in diesem Jahr sterben lassen.“
Eine schwere Nachricht für mich.
Es vergingen einige Monate und dann war Hananja gestorben. Spätestens jetzt könnten die Menschen erkennen, dass ich der Prophet bin, der im Auftrag Gottes spricht.
In diesen Tagen kann ich mein Lied vom Mandelzweig gar nicht mehr singen. Es sind schlimme Tage. Scheinbar wird alles immer schlimmer.
Nächste Woche wird Jeremias Freund, Baruch, als Schreiber gebraucht. Er muss Jeremias Worte alle aufschreiben, sodass der König sie nachlesen kann.
Jer 27 + 28
29.8.2026