Jeremia Der Krug ist eine Nachricht von Gott

Ich bin der Jeremia, mich kennst du ja schon. Ich bin jetzt Prophet. Gott hat mich zum Propheten gemacht.

Es ist anstrengend, Prophet zu sein. Immer wieder sehe ich Bilder, höre ich Sätze. Gott ist unzufrieden mit seinem Volk. So viel machen sie falsch. Sie halten sich nicht an seine Gebote. Sie lieben und verehren Gott nicht mehr. Sie sind bemüht, gut dazustehen. Sie wollen Geld scheffeln. Sie scheren sich nicht um die Menschen, die nicht das Nötigste zum Leben haben. Hauptsache, sie selbst haben noch mehr Geld. Durch alle Bevölkerungsschichten ist das zu beobachten. Die Beamten am Königshof – um ihren eigenen Vorteil bedacht. Die Priester am Tempel beziehen nicht klar Stellung für Gott. Sie versuchen sich im Zweifelsfall sogar mit dem Götzendienst zu verbünden. Der Bauer, der Handwerker, jeder schaut, dass er gut dasteht. Da wird schnell mal einem Götzen, etwa dem Baal, etwas geopfert, kann ja im Zweifelsfall nicht falsch sein. Vielleicht hilft Baal einem weiter.

Ich gehe mit offenen Augen durch die Stadt, das Leben. Ich verstehe den Ärger von Gott. Ich finde auch die richtigen Worte, um die Menschen auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Doch: Die Menschen wollen meine Worte nicht hören. Sie denken gar nicht daran, ihr Leben zu ändern.

Und wenn ich über den König und seine Außenpolitik nachdenke, erkenne ich, dass er sich mit den falschen Nachbarn befreundet und die Gefahr auf der anderen Seite nicht erkennt. Es sind schreckliche Aussichten für unser Volk. Und niemand hört mir, hört Gott zu.

Dann bekomme ich einen Auftrag von Gott. Ich soll einen Töpfer besuchen. Nun, klar gehe ich hin. Mit Handwerk kenne ich mich ja nicht so aus. Buchstaben lesen und schreiben, das ist das, was ich kann.

Jetzt also zum Töpfer.

Da steht er an seiner Drehscheibe. Diese surrt gleichmäßig und ich sehe, wie aus einem Klumpen feuchtem Ton nach und nach ein Gefäß entsteht. Ein Krug zum Ausgießen von Flüssigkeit, eine Schale, ein Krug mit Deckel, der gut schließt, für das Getreide. Schöne Sachen macht der Töpfer. Wichtige Sachen für den Haushalt. Doch dann, plötzlich, ich schaue ihm noch zu, da hört der Töpfer auf. Die Drehscheibe hört auf, zu laufen. Gerade sollte hier noch ein Krug entstehen und jetzt sackt der Ton in sich zusammen. Der Töpfer kratzt den Ton von seiner Scheibe und wirft ihn in die Kiste mit dem anderen Ton zurück. Dieser Krug ist nichts geworden. Der Ton kommt zurück zum anderen Material. Nun fängt der Töpfer von Neuem an. Ein neuer Klumpen Ton, die Scheibe fängt wieder an zu surren.

Ich gehe nach Hause. Ich habe viel zu denken.

So ein Töpfer kann einen an Gott erinnern. Er formt die Menschen. Er entscheidet, was er gut oder schlecht findet. Er kann gestalten und vernichten.

Ach, wenn die Menschen doch zuhören würden, aufmerksam wären. Gott meint es doch gut mit ihnen.

Schwermütig bin ich zu Hause angekommen. Ich zünde mir eine Kerze an. Es ist dunkel geworden.

Und dann ist es wieder da, das Lied:

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?

 Ja, Gott will einen neuen Frühling. Er will, dass alles wieder in Ordnung kommt. Er freut sich am blühenden Mandelbaum.

Doch die Menschen geben sich keine Mühe für Gott.

 Es sind schwere Tage. Trotz dem Mandelzweig-Lied.

Und dann kommt ein neuer Auftrag von Gott: Kauf einen stattlichen Krug. Und treffe dich mit einigen der Ältesten des Volkes und der Priester. Verabrede dich am Ben-Hinnom-Tal. Ben-Hinnom-Tal. Das war kein guter Ort. Dort wurde den fremden Göttern geopfert. Es liegt gleich beim Scherbentor, dem Ort, wo der Müll der Stadt gesammelt wird. Ein Ort des Drecks und des Schmutzes.

Sie kommen alle. Sie tuscheln, als sie mich mit meinem großen Krug sehen. Sie wollen wissen, warum ich sie gerade hierher bestellt habe.

Ich fange an zu reden:

„Das könnt ihr euch doch denken. Gerade hier sieht man, was alles schiefläuft bei uns. Fremde Götter werden verehrt, nicht heimlich und verborgen, sondern in aller Öffentlichkeit. Schmutz und Unrat nehmen überhand und jeder meint, einfach so weiterleben zu können. Aber Gott hat genug.

Schaut euch meinen Krug an. Stellt euch darauf die Landkarte von unserer Stadt, unserem Land vor. Und seht, was ich jetzt mache.“

Ich hebe den Krug hoch, hole Schwung und schmeiße ihn mit all meiner Kraft in das Tal. Es scheppert. Die Scherben sind klein und springen nochmals vom Boden ab. Nichts ist mehr da vom Krug, nichts ist mehr von ihm zu erkennen.

„So wird Gott mit uns umgehen. Er wird uns alle vernichten.“

Schweigend und entsetzt haben die Ältesten mir zugehört und zugeschaut.

Sie haben gemerkt, dass Gott kein Angebot gemacht hat, wie eine Umkehr ausschauen könnte. Es war nur noch eine Beschreibung der Zukunft, die sich aus dem gottfernen Leben der letzten Jahre, bis heute, ergibt.

Ich drehe mich um und gehe in den Tempel. Dort will ich allen erzählen, wie Gottes Pläne aussehen mit dem Volk und mit dem Land.

Es wird den Priestern nicht gefallen. Es wird dem König nicht gefallen. Doch ich kann nicht anders. Gott hat mir die Worte in den Mund gelegt. Sie müssen raus.

Nächste Woche muss Jeremia auch noch die Worte eines falschen Propheten anhören und sich vergleichen lassen. Jeremia hat es schwer.

Lied: Text: Schalom Ben-Chorin (nach Jeremia 1,11) Melodie: Fritz Baltruwein

Jer 18, 1-6; 19

22.8.2026

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Jeremia wird Prophet