Jeremia diktiert Baruch alle Worte von Gott - es entsteht eine Schriftrolle
Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?
So guter Dinge war ich schon lange nicht mehr. Gott hat einen neuen Auftrag für mich. Für mich den Propheten Jeremia. Mal nichts mit Reden, sondern mit Schreiben und Lesen. Das gefällt mir. Ich bin richtig fröhlich gestimmt.
Das ist ein guter Auftrag. Ich soll all die Worte, die ich an das Volk, die Priester, den König und die Gesandten der Nachbarländer gesagt habe, aufschreiben. Es soll eine richtige Schriftrolle werden. Da kann man dann den Willen von Gott nachlesen. Da kann man nichts falsch verstehen. Es steht ja dann festgeschrieben da.
Und was auch wunderbar ist. Mein Freund Baruch soll der Schreiber sein. Wir beide nach langer Zeit mal wieder vereint an einem Projekt. Das wird schön.
Als ich Baruch davon erzähle, ist er zunächst gar nicht so begeistert. Er meint, ich könnte doch selber schreiben. Da brauche ich ihn doch nicht dazu. Doch ich kann ihn überzeugen. Ich konzentriere mich auf die Worte von Gott und er konzentriert sich darauf, alles genau mitzuschreiben. Und so fangen wir dann an. Wir fangen ganz am Anfang an. Damals, als Gott mich zum Propheten gemacht hat – und ich doch gar nicht wollte. Baruch war eifrig bei der Sache. Es interessierte ihn sehr, wie es begann, dass ich Prophet wurde. Und dass Gott versprach, immer an meiner Seite zu sein und mich zu retten. Und dass Gott mir seine Worte in meinen Mund legen wird.
Dann das erste Bild, das Bild vom Wasserkessel, der über unserem Land hängt und bald mit seinem kochenden Wasser alles vernichten wird. Ich erinnere mich noch genau. Eindringlich habe ich zum Volk gesprochen. Ermutigt habe ich sie, es ist noch nicht zu spät. Noch ist nichts passiert. Kehrt um, lebt, wie es Gott gefällt.
Baruch ist ganz konzentriert bei der Arbeit. Spalte um Spalte füllt er auf der Schriftrolle. Wie schön und gleichmäßig er schreiben kann.
Dann die nächste Geschichte. Mein Besuch beim Töpfer. Gott ist wie ein Töpfer. Er kann erschaffen und verwerfen. Genau erklärt habe ich es den Menschen. Lebt, wie Gott es will, und ihr seid seine Geschöpfe, für die er sorgt. Ich war so zuversichtlich, dass sie es verstehen, die Menschen.
Dann die Geschichte mit dem Krug, den ich mit aller Kraft ins Tal geschmettert habe. Nur kleine Scherben sind übriggeblieben. So wird Gott mit seinem Volk umgehen. Und sie hören und sehen nicht. Sie bleiben bei dem falschen Weg. Der König, die Priester am Tempel, die Handwerker und Bauern, einfach alle.
Der König von Babylon übernimmt unser Land. Wir stehen unter seinem Joch. Doch wir können unser Land bebauen und hier leben. Wir sollen eine Weile so leben, dann wird Gott uns wieder befreien. Also soll ich mir ein Joch bauen und zu allen sprechen, auch zu den Vertretern der Nachbarländer. Sie hören nicht! Sie machen einfach weiter. Hananja glauben sie, dem falschen Propheten, der dann schnell gestorben ist.
Baruch schreibt und schreibt. Und er nickt und versteht. Gott hat sich so viel Mühe gegeben mit seinem Volk. Ich habe geredet und ausgerichtet und erklärt und gezeigt. Und die Idee mit der Schriftrolle ist eine gute. So zusammengefasst, muss man doch die Absicht Gottes verstehen. Es wird helfen. Baruch ist zuversichtlich und ich auch. So müssen es doch die Menschen verstehen. Gottes Worte, auch die wirklich schlimmen und harten, sind Rufe zur Umkehr. Wenn sie umkehren würden, würde ihnen Gott entgegeneilen.
Als ich fertig war mit dem Diktieren und Baruch noch einmal die ganze Rolle durchgelesen hat. Sind wir beide zufrieden. „Und was soll nun mit der Schriftrolle werden?“, fragt Baruch. „Du gehst in den Tempel und liest sie vor!“, sage ich.
Baruch erschrickt. Aufschreiben geht in Ordnung, aber Vorlesen in der Öffentlichkeit. Da stellt er sich ja auf meine Seite. Ist das nicht gefährlich? Ich bin ist in der Öffentlichkeit nicht sehr beliebt.
Doch dann macht es Baruch doch. Er liest die Worte, die Gott mir gegeben hat, vor. Und – die Menschen hören zu. Auch die Priester. Wenn was in einer Schriftrolle steht, dann hat das Gewicht, das merkt Baruch. Das kann man nicht so einfach abtun als bloßes Gerede. Lange dauerte es, bis Baruch alles vorgelesen hatte.
Dann kam einer, der Baruch holte, und sagte: „Du musst den Beratern des Königs die Schriftrolle vorlesen." Also ging Baruch mit seiner Schriftrolle zu den Beratern des Königs und las die Worte von Gott ihnen vor. Baruch erkannte, dass die Berater des Königs nachdenklich wurden. Die Worte erreichten ihr Herz.
Doch nun galt es, noch den König davon zu überzeugen. Er musste auf diese Worte hören.
Die Berater des Königs fragten nochmals nach, wie Baruch zu den Worten in der Schriftrolle gekommen ist. Genau erklärte er es ihnen.
Dann schickten sie Baruch weg und beschworen ihn, dass er sich mit Jeremia gut verstecken sollte. Die Berater machten sich auf den Weg zum König. Zunächst ohne Schriftrolle.
Der König wollte die Schriftrolle vorgelesen bekommen. Er hörte zu, doch dann nahm er ein scharfes Messer und fragte, wie viele Spalten denn schon vorgelesen waren. Diese schnitt er mit dem Messer von der Schriftrolle ab und warf die Spalten in das Feuer, das neben ihm brannte und ihn wärmte. So machte er es Spalte für Spalte. Sie wurden abgeschnitten und verbrannt.
Die Gottesworte erreichten den König nicht. Er gab den Auftrag, dass Jeremia und der Schreiber Baruch verhaftet werden sollen.
Doch sie fanden die beiden nicht. Sie waren gut versteckt.
Doch Gott gibt nicht auf.
Wieder hat Gott einen Auftrag für Jeremia und Baruch: "Nehmt eine neue Schriftrolle und schreibt alles noch einmal auf. Und ergänzt es um ein weiteres Wort von mir: 'Der König und seine Kinder werden nicht mehr König von Juda sein. Der König von Babylon wird über Juda herrschen. Ich habe es oft genug gesagt, doch sie wollten nicht hören.'"
Also ich begann nochmals Baruch alles zu diktieren. Baruch schrieb alles nochmals auf.
Doch das Lied vom Mandelzweig wollte mir, diesmal nicht über die Lippen kommen. Warum hörte der König nicht auf Gott?
Nächste Woche erzähle ich dir, wie Jeremia gefangen genommen wird.
Lied: Text: Schalom Ben-Chorin (nach Jeremia 1,11) Melodie: Fritz Baltruwein
Jer 36
5.9.2026