Seitenwechsel Zwei Spione erkunden Jericho und Rahab hilft ihnen Josua 2
Da bin ich, der Josua, nun der Anführer des Volkes Israels. Mose ist in den Bergen verstorben. Er durfte noch ins „Gelobte Land“ schauen, dem Land, das Gott uns versprochen hat. Jetzt soll ich den – nennen wir ihn mal Umzug – des Volkes in dieses Land vorbereiten. Einfach wird das nicht. Es ist vieles zu bedenken. Das Land, das unser Land werden soll, ist ja nicht leer und wartet auf uns. Da wohnen Menschen. Gut es ist groß genug für die und uns. Doch einfach, einfach wird das nicht.
Schon allein der Weg dorthin ist schwierig. Wir müssen durch einen großen Fluss. Und Wasser ist ja nicht unsere Stärke nach 40 Jahren in der Wüste. Mit Flüssen kennen wir uns nicht so aus.
Doch wie hat mir Mose in unseren letzten Gesprächen immer wieder gesagt: „Seid stark und mutig und fürchtet euch nicht. Habt keine Angst vor den Menschen jenseits des Jordans. Denn Gott zieht mit euch mit. Er lässt dich weder fallen noch verlässt er dich. Gott selbst wird vor dir herziehen und wird mit dir sein. Fürchte dich nicht und hab keine Angst!“ So hat Mose mit mir geredet. Gott zieht mit uns mit. Das ist ja schon mal eine Beruhigung.
Nun werde ich mich erst einmal in die Stiftshütte zurückziehen. Ich muss meine Gedanken sammeln. Wie werde ich vorgehen? Wir müssen auf die andere Seite des Flusses kommen.
Hier in der Stiftshütte ist es immer schön ruhig. Sie ist ein Rückzugsort und in ihr ist alles Wichtige, was unseren Glauben betrifft. Da sind die beiden Steine mit den 10 Geboten. Sie sind so verpackt, dass wir sie gut mit durch die Wüste tragen können. Die ganze Stiftshütte kannst du dir wie ein großes Zelt vorstellen. Alles kann man auseinandernehmen. Die Stecken, die Stoffe, alles gut zu tragen und an anderer Stelle wieder gut aufzubauen. Mir sind die steinernen Tafeln mit den 10 Geboten sehr wichtig. Immer wieder lese ich sie durch. Sie sind ja wie ein Vertrag zwischen unserem Gott und uns Menschen. Gott verspricht, unser Gott zu sein, und wir sollen nach den Geboten leben.
Und was anderes ist mir in der Stiftshütte noch sehr wichtig: das Buch von Mose. Darin hat er alle Worte, die ihm Gott befahl, aufgeschrieben. Manche sagen Gesetzbuch dazu. Ich nenne es „Worte der Weisung“. Der Titel gefällt mir viel besser. In diesem Buch werde ich jetzt etwas blättern. Vielleicht bekomme ich eine Idee, wie wir durch den Fluss kommen.
Lange habe ich jetzt nachgedacht.
Zunächst bin ich zu den Soldaten gegangen und habe sie befragt, ob ich auf ihre Unterstützung rechnen kann. Das ist ja ganz wichtig. Ich weiß ja nicht, was uns jenseits des Ufers erwartet. Die Soldaten machten mir Mut. Sie werden mich mit allem unterstützen, was ich brauche. Wunderbar!
Und dann hatte ich noch eine Idee: Ich werde erstmal zwei geschickte Männer aussuchen, die als Spione nach Jericho gehen. Das ist die große Stadt auf der anderen Seite des Flusses. Zwei Männer können fast unsichtbar handeln. Sie werden sich in der Nacht durch den Fluss schlagen. Am anderen Ufer lassen sie sich dann von der Sonne trocknen. Natürlich nicht mitten am Ufer. Sie werden eine verborgene Stelle finden. Das können sie schon von unserer Seite aus auskundschaften.
So wurde es dann gemacht. Zwei Kundschafter zogen los. Es dauerte eine Weile, bis sie wiederkamen. Immer wieder schaute ich zum Fluss. Könnte ja sein, dass ihnen etwas zugestoßen ist. Vielleicht wurden sie verhaftet?
Und dann waren sie eines Abends wieder da. Neugierig war ich. Was sie wohl erlebt hatten?
Alles hat gut geklappt, erzählten sie. Sie kamen zu dem Haus der Frau Rahab. Es ist eine Frau, die Sex gegen Geld mit fremden Männern hat. Eine Frau, die das Leben von allen Seiten kennt. Dort kamen meine Kundschafter unter. Sie erzählten, dass, als sie kaum im Haus waren, Soldaten aus Jericho bei ihr klopften und wissen wollten, was für fremde Männer, denn im Haus waren. Rahab blieb ganz ruhig. Sie versteckte uns auf dem flachen Dach des Hauses unter einigen Decken und dann redete sie mit den Soldaten. Sie log sie einfach an: „Ja, fremde Männer wären dagewesen, aber die seien schon vor einiger Zeit wieder gegangen. Wenn sich die Soldaten beeilen würden, würden sie diese vielleicht noch finden. Sie sind auf dem Weg zum Fluss.“
Als die Soldaten abzogen, kam Rahab zu uns auf das Dach. Sie sprach dann mit uns. Sie erzählte uns, dass sie schon viel von unserem Volk und von unserem Gott gehört hatte. Sie hat vom Durchzug durchs Schilfmeer erzählt. Und Gott bewundert sie dafür. Sie wusste auch, dass wir starke Soldaten dabeihaben. Und dass Gott Himmel und Erde gemacht hat. Und dann hatte sie eine Bitte an uns. Wenn wir als Volk in ihre Stadt kommen, erbittet sie Erbarmen von uns, für sich und ihre ganze Familie. Sie hatte uns ja gerade vor den Soldaten gerettet. Das haben wir ihr geschworen, sie und ihre Familie zu retten. Wir haben ein Zeichen vereinbart, woran alle erkennen, dass in diesem Haus Rahab und ihre Familie wohnt. Ein dickes rotes Seil am Fenster. Und ihre Familie musste halt zu ihr ins Haus kommen.
Dann fragten wir Rahab wie es denn jetzt für uns weitergehen könnte. Sie schaute uns listig an: „Das ist einfach. Wir warten auf die Dunkelheit. Dann seile ich euch aus dem Fenster ab, dann landet ihr hinter der Stadtmauer. Geht für ein paar Tage in die Berge. Unsere Soldaten suchen euch ja auf dem Weg zum Fluss.“
Genauso haben wir es gemacht.
Ich fragte sie dann noch: „Meint ihr, wir können es wagen, durch den Fluss ins versprochene Land zu ziehen?“ Sie nickten eifrig: „Klar! Gott hat das ganze Land in unsre Gewalt gegeben. Die haben Angst vor uns. Die wissen, dass unsere Soldaten stark und schlau sind. Und, dass wir Gott auf unserer Seite haben.“
Gut, dachte ich mir. Dann werden wir es in den nächsten Tagen wagen. Ein paar Sachen will ich mir noch überlegen. Wir sind ja viele und es muss schnell und zügig gehen. Doch, da wird mir, mit Gottes Hilfe, etwas einfallen.
Nächste Woche erzähle ich dir, wie Josua und das Volk durch den Fluss ziehen.
5. Mose 31, 1-8; Josua 1, 10-18; Josua 2
24.10.2026