Vom Vize zum Chef Josua 1
Mein Name ist Josua. Ich bin ein Israelit, der mit Mose zusammen durch die Wüste geht. Du kennst vielleicht die Geschichte von Mose und dem Auszug aus Ägypten. Die Israeliten waren damals vom ägyptischen König, dem Pharao, sehr unterdrückt. Gott schickte dann Mose wieder zurück nach Ägypten. Er war da geboren und am Königspalast aufgewachsen, musste dann aber fliehen, weil er einen Menschen erschlagen hatte. Gott also schickte Mose, nachdem er ihm am brennenden Dornbusch erschienen war, zurück nach Ägypten. Mit dem Ziel, dass die Israeliten Ägypten verlassen dürfen. Es war ein harter Kampf, bis es so weit war. Dann waren die Israeliten schon raus aus Ägypten, doch die ägyptische Streitmacht mit ihren Rossen und Wagen jagte hinter ihnen her. Mose hat mit Gottes Kraft damals das Schilfmeer geteilt und die Israeliten konnten mit trockenen Füßen auf die andere Seite gelangen. Die ägyptische Streitmacht rannte dann rein ins Wasser und konnte die Israeliten nicht mehr erreichen.
Seitdem, es sind über 40 Jahre vergangen, sind die Israeliten auf dem Weg durch die Wüste. Unser Ziel ist das gelobte Land. Das Land, das Gott uns versprochen hat. Diese 40 Jahre Wüstenwanderung sind eine lange Zeit und wir sind selber daran schuld. Wir Israeliten in der Wüste sind nicht immer so glaubensfreudig, wie sich das unser Gott wünscht. Also durften wir manchmal eine Extrarunde drehen, bis wir wieder verstanden und uns an Gottes Gebote gehalten haben.
Ich bin Josua. Ich bin die rechte Hand von Mose. Mose ist alt und gebrechlich. Er braucht Unterstützung. Ich weiß auch nicht, wie es kam, dass ich zu diesem Posten gekommen bin. Manche sagen: „Josau ist der Vizechef von Mose.“ Ich will das nicht hören. Ich will Mose unterstützen und ihm helfen. Ich will ein gottgetreuer Israelit sein und mich an Gottes Weisungen halten. Ich war damals mit Mose auf dem Berg Sinai, damals, als Gott seinem Volk die 10 Gebote gegeben hat. Also, ich stand nicht neben ihm, als das geschah. Ich musste etwas weiter unten auf ihn warten. Doch dann stiegen wir gemeinsam hinunter mit diesem Gottesgeschenk. Ein Vertrag zwischen Gott und uns Menschen. Ein Regelkatalog. Wir haben in den letzten 40 Jahren 2 Dinge gelernt: Es ist nicht einfach, sich an Regeln zu halten. Und: Es macht das Zusammenleben leichter, wenn sich alle an Regeln halten.
Aber ich komme vom Thema ab. Mose ist alt und schwach. Besorgt sehen wir ihm dabei zu, wie er immer kraftloser wird. „Wie soll es denn weitergehen, wenn Mose stirbt?“, das frage nicht nur ich mich fast jeden Tag, viele andere auch.
Und dann ruft mich Mose zu sich. Das ist ja nichts Ungewöhnliches. Also gehe ich schnell hin. Was er wohl für Hilfe braucht?
Ich trete in sein Zelt und er fordert mich auf, mich zu ihm zu setzen. Es wird ein ernstes Gespräch. Gott hat mit Mose geredet. Gott will Mose zu sich holen. Und Gott hat einen Plan, wie es mit dem Volk weitergehen kann, so erzählt Mose. Ich – also ich – ich soll das Volk weiterführen. Oje, das ist eine große Aufgabe. Ob ich das schaffen werde? Ich bin nicht so eine starke Person wie der Mose. Kann ich das? Ich habe Zweifel. Doch Mose redet mir gut zu. Er erzählt, wie es ihm damals ging, am brennenden Dornbusch. Er war sich auch sicher, dass er nicht der Anführer der Israeliten in Ägypten sein kann. Und dann noch mit dem Pharao verhandeln. Das hat sich Mose damals auch nicht zugetraut. Doch immer wieder erlebte er: Gott ist an seiner Seite. Er schenkt ihm Kraft und Mut und Gottvertrauen.
Lande redete Mose mit mir. Mir schwirrte der Kopf. Ich ging danach in mein Zelt und legte mich auf meine Matte. Mose wird sterben und ich soll der Anführer sein. An Einschlafen war nicht zu denken. Ich kenne doch mein Volk, seit fast 40 Jahren. Einfach sind die nicht. Sie haben ihren eigenen Kopf. Wenn ich nur daran denke: Ich komme mit Mose vom Berg Sinai herunter, mit den Geboten von Gott, und was macht das Volk? Die haben sich aus dem Gold, das die Frauen als Schmuck getragen haben, ein goldenes Kalb gemacht und es wie einen Gott verehrt. Zum Verzweifeln war das, damals. Was mache ich, wenn die sowas auch mit mir machen?
Dann wurde ich ruhiger: „Ich bin der Herr, dein Gott", so fangen die 10 Gebote an. Gott ist mein Gott. Wenn ich bei diesem Gedanken bleibe, werden meine anderen Gedanken kleiner. Gott ist doch größer als all meine Sorgen. So kann ich dann doch noch einschlafen.
Am nächsten Tag ruft Mose das ganze Volk zusammen. Ich musste mich zu ihm vor das Volk stellen und dann vor Mose hinknien. Dann wurde es feierlich. Mose legte mir die Hände auf meinen Kopf und sagte zu mir:
„Sei stark und mutig! Du wirst dieses Volk in das Land bringen, das Gott verheißen hat. Er hat unseren Vorfahren versprochen, uns dieses Land zu geben. Du wirst es unter dem Volk aufteilen. Gott wird, wie damals am Schilfmeer, vor dir herziehen und mit dir sein. Er lässt dich weder fallen noch verlässt er dich. Deshalb fürchte dich nicht und hab keine Angst!“
Dann durfte ich wieder aufstehen. Das Volk hat ganz still zugehört. Sie wussten alle, was das bedeutete. Mose wird sterben. Ich weiß, dass sich Mose dann auf den Weg gemacht hat in die Berge. Gott hatte ihm versprochen, dass er in das gelobte Land schauen darf. In den Bergen, dort ist er ganz alleine gestorben.
Und es ist erstaunlich. Nun bin ich seit einigen Tagen der Anführer des Volkes – und das Volk gehorcht mir.
Eines Abends höre dann ich die Stimme von Gott. Ich bin ganz erschrocken.
„Sei mutig und stark!“, sagt er zu mir. Die Worte kenne ich ja schon von Mose. Und weiter: „Ich werde mit dir sein, wie ich es mit Mose gewesen bin. Ich lasse dich nicht im Stich. Achte darauf, dass du dich an meine Gebote hältst. Denke immerzu über sie nach. Diese Weisungen sind das Wichtigste, was ich dir und euch gegeben habe. Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück! Ich bin an deiner Seite bei allem, was du unternehmen musst.“
In dieser Nacht konnte ich ganz sorgenfrei schlafen. Gott ist an meiner Seite, was auch immer kommt.
Nächste Woche erzähle ich dir weiter von Josua, dem neuen Chef der Israeliten in der Wüste auf dem Weg in das gelobte Land.
5. Mose 31, 7+8 +23; 5. Mose 34, 9; Josua 1, 5b-9
17.10.2026