Wir pflügen und wir streuen, den Samen auf das Land, doch ……..

Und von einem Lieddichter erzähle ich dir heute auch wieder. Er heißt Mathias Claudius. Er ist ein sehr bekannter Dichter. Vielleicht kennst du das Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Das hat er gedichtet. Und wenn du es nicht kennst, dann frage deine Oma, die könnte es vielleicht kennen.

Aber um dieses Abendlied geht es ja heute gar nicht. Es geht um ein Erntedanklied. Jetzt im Herbst werden die Felder abgeerntet und man freut sich an dem, was übers Jahr gewachsen ist.

Matthias Claudius war kein Bauer, er ist Sohn eines Pfarrers und 1740 geboren. Zunächst beginnt er, Theologie zu studieren, entscheidet sich aber relativ schnell, dass er kein Pfarrer werden will. Er wird ein Dichter. Davon kann man natürlich nicht so einfach leben. Also übernimmt er Arbeitsstellen, die mit Schreiben zu tun haben. Er arbeitet für eine kleine Zeitung. Er schreibt Geschichten für die Zeitung, Lieder und größere Geschichten auch. Mit 32 heiratet er. Er und seine Frau bekommen 12 Kinder. Nicht alle sind erwachsen geworden. Für Matthias Claudius waren seine Familie, seine Frau und seine Kinder der Lebensmittelpunkt. Er feierte mit ihnen viele Feste, überraschte sie mit Festen. Fröhlich war es im Haus der Claudius. Natürlich gab es auch Leid und Not. Nicht immer langte das Geld für ausreichend Essen. Der Tod kam auch manchmal vorbei und man trauerte um liebe Menschen. Doch Matthias Claudius war ein frommer Mann. Er vertraute auf Gott. Das konnte man in seinen Geschichten und Liedern nachlesen.

Das Lied, um das es heute geht, ist mitten in eine Geschichte hineingedichtet.

Die Geschichte erzählt vom Bauern Paul Erdmann und seinem Fest. Paul Erdmann hat seit 50 Jahren einen Hof gepachtet. Das will er feiern und er lädt alle ein, die er kennt. Da sind vornehme und gebildete Edelleute, mit denen er Geschäfte macht. Und es sind viele Bauern da, so wie er. Man hat die Felder nebeneinander. Man hilft sich gegenseitig in Notsituationen. Der Bauer hat zum Festmahl eingeladen. Und spricht zum Beginn ein Dankgebet. Das finden die Edelleute, also die Adeligen, die Grafen und Barone, ungewöhnlich. Wie? Gott danken? Gibt es einen Gott? Sie sind sich da nicht einig.

Matthias Claudius erzählt, wie bei dem Fest diskutiert wird. Wie die Edelleute sich für schlau und aufgeklärt halten und etwas die Nase erheben über die ungebildeten Bauern. Das ist die eine Seite. Und die andere? Die Bauern, die verstehen was von ihrem Handwerk. Die wissen: Wir können wunderbaren Samen aussäen und wenn das Wetter nicht passt, wird nichts daraus. Wir können das Unkraut bekämpfen, doch das heißt noch lange nicht, dass das Getreide gedeiht. Spannend sind die Diskussionen zu lesen. Doch zu einem wirklichen Ergebnis kommt man nicht so schnell. Da hat der Bauer eine Idee. Wir könnten unser Bauern-Denken doch als Lied vortragen. Und Matthias Claudius dichtet ein „Bauernlied“ in seiner Geschichte.

Wir pflügen, und wir streuen / den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen / steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen / sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, / Wuchs und Gedeihen drauf.

Stolz ist Matthias Claudius, wie er mit dieser Strophe den Edelleuten erklärt. Ohne Gott geht gar nichts. Und mit dem Refrain des Liedes verstärkt er das noch:

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt,
und hofft auf ihn.

Diesen Kehrvers lässt Matthias Claudius in seiner Geschichte immer die vielen Bauern an der Festtafel singen. Die Melodie ist so, dass man sich gut vorstellen kann, dass dabei mit der Hand auf dem Tisch der Takt geklatscht wurde.

Bei Matthias Claudius hatte das Lied 17 Verse. Im Gesangbuch sind es nur noch vier. Hier die Verse zwei bis vier:

Er sendet Tau und Regen / und Sonn und Mondenschein
und wickelt Seinen Segen / gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behände / in unser Feld und Brot,
es geht durch unsre Hände, / kommt aber her von Gott.

Was nah ist und was ferne, / von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne, / der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter, / und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter / und Schnee und Ungestüm.

Er lässt die Sonn aufgehen, / er stellt des Mondes Lauf;

er lässt die Winde wehen / und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude, / er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide / und unsern Kindern Brot.

Schön hat er das gedichtet. Ganz nah am Psalm 104, der Gottes wunderbare Schöpfung mit vielen Bildern beschreibt. Und ganz nah am Leben der Bauern. Die auch Schnee und Ungestüm als göttliches Tun erleben und sich dann wieder an dem gewachsenen Weizen für das Brot freuen.

Als Matthias Claudius das Lied geschrieben hat, war er 43 Jahre alt und es ist das Jahr 1783. Er lebt noch bis 1815 und stirbt mit 74 Jahren.

Ja, und jetzt müssen wir noch die Melodie von diesem „Bauernlied“ oder Erntedanklied kennen lernen.

Vielleicht lernst du zuerst mit mir zusammen den Kehrvers:

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt,
und hofft auf ihn.

Und gleich noch einmal:

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt,
und hofft auf ihn.

Und nun machen wir es so wie beim Fest vom Bauern Ehrmann.

Ich singe die Verse und du singst, wie die Bauern damals, beim Kehrvers mit mir mit.

Los geht es:

Wir pflügen, und wir streuen / den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen / steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen / sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, / Wuchs und Gedeihen drauf.

Refrain

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt,
und hofft auf ihn.

Er sendet Tau und Regen / und Sonn und Mondenschein
und wickelt Seinen Segen / gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behände / in unser Feld und Brot,
es geht durch unsre Hände, / kommt aber her von Gott.

Kehrvers

Was nah ist und was ferne, / von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne, / der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter, / und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter / und Schnee und Ungestüm.

Kehrvers

Er lässt die Sonn aufgehen, / er stellt des Mondes Lauf;
er lässt die Winde wehen / und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude, / er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide / und unsern Kindern Brot.

Kehrvers

Und nächste Woche erzähle ich dir von Josua. Einem Mann aus dem Alten Testament.

Ps 104, 14-15 + 27-28

Lied: Evangelisches Gesangbuch 508

10.10.2026

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Auch pfeifet dir das Mäuselein, ….