Manchmal ist es zum Davonlaufen. Gerne würde ich meinen Job kündigen. Ich, Josua, der Chef der Israeliten. So dumm, wie einzelne von uns sind. Es ist nicht zum Aushalten. Manchmal kann man sich den Mund fusselig reden, und erklären und um Verständnis werben, und es gibt welche, die nehmen das nicht ernst.
Aber mal der Reihe nach.
Als damals die Mauern von Jericho gefallen waren, gab es eine klare Ansage von mir an das Volk. Hier wird nichts mitgenommen. Alles bleibt in der Stadt so, wie es war. Es wird keine Beute gemacht. Gott will es so. Gott! Hatten sie das nicht gehört?
Gab es doch einen, der sich bedient hat. Er hat sich was von den Sachen genommen und zu seinen Sachen getan. Ich habe nichts davon mitbekommen. Dem hätte ich was erzählt.
Es dauerte eine Weile, bis ich etwas gemerkt habe. Und das hatte Auswirkungen auf unser ganzes Volk.
Wir wollten ja weiterziehen und unser nächstes Ziel war die Stadt Ai. Ich machte es wie immer. Erst mal Kundschafter hinschicken. Die sollten herausbekommen, wie bewaffnet die Stadt ist und was es zu bedenken gibt, wenn wir die Stadt einnehmen.
Die Kundschafter kamen fröhlich wieder.
Es gab dann gleich eine Lagebesprechung. Sie machten uns Mut. Die Stadt ist einfach, versicherten sie uns. Da müssen wir nicht mit all unseren Soldaten oder womöglich mit unserem Volk gar auftauchen. Da tut es eine überschaubare Abordnung unserer Soldaten. Das ist gut zu schaffen. Die Stadt hat nur wenige Verteidiger.
Ich war erleichtert. Das hörte sich ja wirklich gut an. Also beschlossen wir, den Angriff zu wagen, in kleiner Besetzung. Doch was geschah?
Unsere Männer mussten fliehen. Sie wurden von den Stadttoren bis hinaus in die Steinbrüche verfolgt. Sogar Tote mussten wir beklagen.
Wie konnte das geschehen?
Meinem Volk schwand der Mut. Wo ist Gott, der an unserer Seite ist?
Das war eine Frage, die ich an diesem und in den nächsten Tagen oft hörte.
Ich selber fragte mich das ja auch.
Unruhig war ich und verzweifelt. Ich ging zur Bundeslade. Da wollte ich Ruhe finden. Ich war nicht alleine dort. Die Ältesten des Volkes waren auch da. Wir waren alle voller Demut da. Ich legte mich auf den Boden, das Gesicht in den Staub. Andere streuten sich Staub auf den Kopf und knieten. Ganz still war es bei uns.
In meinem Herzen sprach ich mit Gott: "Gott, ich verstehe nicht, was los ist. Da führst du uns trockenen Fußes über den Jordan. Die Mauern von Jericho zerfallen nach deinem Plan. Und nun scheitern wir an einer kleinen Stadt, wir werden vertrieben, verfolgt und einige von uns sogar getötet. Das soll doch unser Land hier sein?“
Und Gott sprach mit mir: „Steh auf, Josua, was liegst du im Staub? Das Volk hat eine schwere Sünde getan. Es hat sich nicht an meinen Bund gehalten. Es hat sich jemand was von den Sachen in Jericho genommen. Das sollte nicht sein. Da ist mein Gebot gebrochen: ‚Du sollst nicht stehlen!‘ Wie siehst du das, Josua?“
Was? Gestohlen? Wer? Meine Gedanken im Kopf rasten.
Da sprach Gott schon weiter: „Der, der dies gemacht hat, muss die Konsequenzen tragen. Morgen werde ich mich mit dir darum kümmern. Lass morgen die Stämme antreten.“
So machte ich es dann. Die Vertreter der Stämme versammelten sich bei mir. Ich warf das Los. Der Stamm, den das Los traf, musste seine Familienoberhäupter versammeln. Wieder wurde das Los geworfen. Das Familienoberhaupt, das es traf, musste seine Großfamilie holen. So ging es weiter, bis das Los auf Achan traf. Achan aus dem Stamm Juda.
War ich sauer, als ich vor ihm stand. Dem haben wir also den ganzen Schlamassel zu verdanken. Gott ist zornig auf uns, weil er sich nicht an die Gebote gehalten hat.
Also befragte ich ihn streng: „Achan, bekenne deine Schuld vor mir und vor Gott. Sag, was du getan hast, und verheimliche mir nichts mehr.“
Achan schaute mich an: „Ja, es ist wahr. Ich habe gegen Gottes Gebot verstoßen. Ich habe in Jericho einen wunderschönen babylonischen Mantel gesehen, dazu Silbermünzen und einen Barren Gold. Da konnte ich nicht widerstehen und habe die Sachen in meinem Zelt versteckt, unter meinen Sachen.“
Ich schickte Menschen zu dem Zelt, um die Sachen zu suchen. Wirklich, sie waren da und man brachte sie zu uns.
Nun wurde es schwer für mich. Gott verlangte eine drastische Strafe. Ich kann ihn verstehen. Aber es bleibt schwer.
Achan wurde in ein Tal geführt, so ähnlich wie eine Schlucht. Alles, was ihm gehörte, dazu. Seine Ziegen und Schafe, sein Zelt, die gestohlenen Dinge, seine ganze Familie. Alles Lebendige wurde getötet und alles andere wurde verbrannt. Nichts blieb mehr übrig.
Wieder zog ich mich zur Bundeslade zurück. Meine Gedanken mussten sich sortieren. Warum hat das Achan gemacht? Gut, ich kann verstehen, dass einem etwas gefällt. Dass Silber und Gold verlockend sind. Doch das ist doch nur der erste Gedanke. Ich weiß doch danach, dass das falsch war, was ich gemacht habe. Warum kam Achan nicht zu mir und hat erzählt, was passiert ist? Hat er sich geschämt? Schämen nutzt an der Stelle nichts. Da muss man für sein Handeln geradestehen und sich bekennen. Es wäre doch so einfach gewesen. Gott ist ein verzeihender Gott. Nichts sagen hilft nichts. Hoffentlich haben die anderen heute aus der Geschichte etwas gelernt. Ich hoffe es sehr.
Die Geschichte der nächsten Woche heißt: Versprochen ist versprochen. Sei schon mal neugierig.
Josua 7
7.11.2026