Jesus stillt den Sturm
Ada kennst du ja schon. Ein kleines Mädchen in Israel, so in der Jesus-Zeit. Sie liebt Geschichten von Jesus und ihre Mutter muss ihr immer wieder eine erzählen. Das letzte Mal die Geschichte von Hochzeitsfest, wo der Wein leer war.
Und heute?
Wieder sind keine Kinder auf der Straße zum Spielen und Ada ist es langweilig. Sie schaut nach der Mutter. Die sitzt unter dem Feigenbaum und repariert die Schlafdecken. Manche haben ausgefranste Kanten und müssen neu eingefasst werden. Mit Nadel und Wolle ist sie dabei, alles wieder schön zu machen.
Ada setzt sich neben sie.
„Mama, erzählst du mir eine Geschichte von Jesus? „Eine, die ich nicht kenne.“
Die Mutter schaut Ada an und sagt dann: „Lass mich einen Moment nachdenken?“
Und sie denkt nach. Dann nickt sie. „Ich weiß eine, die du noch nicht kennst. Ich habe sie neulich erst am Brunnen gehört.“
„Au ja“, freut sich Ada. „Ich bin schon ganz gespannt.“
„Also, Jesus ist in der Nähe des Sees Genezareth. Da waren auch einige seiner Freunde zu Hause. Diese Freunde waren früher Fischer, bevor sie Jesus-Freunde wurden und mit ihm durchs Land wanderten. Viele Menschen wollten mit Jesus reden. Sie wollten wissen, wie das ist mit einem Leben, das Gott gefällt. Und Jesus erzählte gerne. Das stelle ich mir ganz schön anstrengend vor, so viel mit den Menschen zu reden“, sagte die Mutter.
Ada dachte nach. „Ich finde, Reden macht Spaß“, sagte sie. „Ruhig sein finde ich viel anstrengender.“
Die Mutter lachte. Das verstand sie. Ada redete einfach gerne, aber sie war auch gerne ruhig und konnte gut zuhören, es mussten halt gute Geschichten sein, die ihr erzählt wurden.
„Ada, ich denke, wenn Jesus mit den Menschen redete, dann war das nicht so ein Gespräch wie unter uns Frauen am Brunnen oder beim Wäschewaschen am Fluss. Das Gespräch ist intensiver. Jesus konzentriert sich ganz auf sein Gegenüber. Er sieht und fühlt und denkt und sucht nach richtigen Worten. Das ist dann schon anstrengender.“
„Na, gut“, nickt Ada. „Aber wo ist nun die Geschichte? Jesus redet mit den Menschen in der Nähe vom See Genezareth. Das ist noch keine Geschichte.“
„Geduld, Ada, die Geschichte kommt schon noch. Also, Jesus ist im Gespräch mit vielen Menschen und es kommt der Abend. Er hat vielleicht Sehnsucht nach Ruhe, er will vielleicht schneller an einen Ort am See kommen. Keine Ahnung. Aber er steigt in ein Boot und seine Freunde freuen sich. Bootfahren, das konnten sie. Bootfahren, das mochten sie. Es wird Abend und sie fahren mit dem Boot auf den See. So wie früher, als sie noch Fischer waren. Alles ganz einfach. Doch dann! Ganz plötzlich! Ist ein Sturm über ihnen und sie mit ihrem Boot mittendrin. Heftiger Wind. Hohe Wellen. Wasser überall. Das Boot droht zu kentern. Es ist wirklich sehr, sehr schlimm. Alle haben alle Hände voll zu tun. Wasserschöpfen, sich festhalten, mit dem Segel kämpfen. Und was macht Jesus? Jesus liegt mitten in dem Chaos und schläft.“
„Was?“, aus Ada platzt es heraus. „Jesus schläft? Das kann doch nicht sein. Das rüttelt doch in dem Boot. Ein Sturm ist doch laut. Da kann man doch nicht schlafen?“ Ada schüttelt den Kopf. Na sowas, unvorstellbar.
„Erzähl weiter, Mama, was passiert dann? Geht das Boot unter und wie wurden sie gerettet?“
„Die Freunde von Jesus haben sich durch den Sturm zu dem schlafenden Jesus gekämpft und ihn geweckt. Sie haben ihn gerüttelt und angeschrien. Ihre ganze Angst war in ihrem Schreien zu hören: ‚Herr, rette uns! Wir gehen unter‘“
„Und was macht Jesus dann? Kann er was machen?“ Ada ist ganz aufgeregt.
„Als Erstes spricht Jesus ernst mit seinen Freundinnen und Freunden: ‚Warum habt ihr solche Angst?‘“
„Mama, ganz ehrlich, Jesus kann doch jetzt seine Freunde nicht befragen, warum sie Angst haben. Er muss doch jetzt etwas machen. Über die Angst können die später, wenn alles wieder gut ist, immer noch reden.“
Die Mutter grinst. „Das habe ich mir auch gedacht, als ich die Geschichte gehört habe. Aber Jesus spricht erst mal noch weiter. Er sagt seinen Freunden: ‚Ihr habt zu wenig Vertrauen!‘ Und dann, dann stand er auf. Und er bedrohte den Wind und die Wellen, nun still zu sein. Da wurde es ganz still. Und der Sturm war vorbei.“
Ada atmet tief aus. „Na, endlich. Ich dachte schon, Jesus will noch mehr mit den Freunden reden. Wie soll das gehen, Vertrauen zu haben, wenn das Schiff am Untergehen ist?“
„Da denke ich auch schon die ganze Zeit darüber nach“, sagt die Mutter. Wie soll das mit dem Vertrauen in unsicheren Zeiten gehen? Ja, das bleibt die Frage. Aber vielleicht ist es ja die Geschichte, die uns Mut macht, in unsicheren Zeiten zu vertrauen. Die Menschen, die mit im Boot waren, wunderten sich über das, was sie erlebt hatten. Und fragten sich: Wer ist dieser Jesus eigentlich? Selbst Wind und Wellen gehorchen ihm?‘“
Ada ist nachdenklich. „Wenn ich mal wieder Angst habe, dann probiere ich das mit der Geschichte aus. Ich denke an die Freunde von Jesus, die gegen den Sturm kämpfen, und den schlafenden Jesus. Vielleicht wächst dann mein Vertrauen und die Angst wird kleiner. Ich werde es einfach ausprobieren müssen.“
„Gute Idee!“, sagt die Mutter. „Doch jetzt haben wir gerade keine Angst. Meine Flickarbeiten sind auch beendet. Was meinst du zu einem kurzen Bad im Fluss, bevor wir das Abendessen vorbereiten?“
„Au ja!“ Ada ist begeistert und springt auf. Die Mutter räumt die Decken in das Haus und sie gehen vergnügt zum Fluss.
Und nächste Woche wünscht sich Ada nochmals eine Jesus-Geschichte von ihrer Mutter.
Mt 8,23-27
17.1.2026