Jesus heilt den blinden Bartimäus

Ada kennst du ja schon. Ein kleines Mädchen in Israel, so in der Jesus-Zeit. Sie liebt Geschichten von Jesus und ihre Mutter muss ihr immer wieder eine erzählen. Das war die Geschichte von der Hochzeit in Kana und die Geschichte der Sturmstillung.

Und heute?

Es ist ein heißer Tag. Ada hängt im Schatten unterm Feigenbaum und ihr ist es langweilig. Sie müht sich hoch und stolpert zum Haus. Mutter macht Ordnung bei den Schlafdecken und kehrt die Krümel zusammen. „Mama“, beginnt Ada. „Mama, kannst du mir nicht gegen die Langeweile eine Geschichte von Jesus erzählen? Eine wirklich gute Geschichte?“

Die Mutter schaut ihre Ada an und überlegt. „Ich muss beim Töpfer noch einen Teller abholen, das habe ich mit ihm ausgemacht. Wartest du so lange unterm Feigenbaum im Schatten? Wenn ich wiederkomme, erzähle ich dir eine Geschichte von Jesus. Eine gute!“ Ada überlegt. Warten wollte sie eigentlich nicht. Doch im Schatten sitzen war besser, als mit zum Töpfer zu gehen. Also nickte sie. „So machen wir das“, sagte sie. Und trollte sich unter den Feigenbaum und langweilte sich weiter. Es dauerte eine Weile, bis ihre Mutter zu ihr unter den Baum kam. Sie hatte zwei Becher mit kühlem Wasser mitgebracht. Das freute Ada. Jetzt konnte es wohl gleich losgehen. Und da fing die Mutter schon an.

„Ada, ich erzähle dir eine Geschichte aus der Stadt Jericho. Das ist eine schöne Stadt am Fluss Jordan. Es gibt große Dattelpalmen und manche grüne Wiesen, denn da ist mehr Wasser als hier. In diese Stadt kam Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem. Jesus ist ja oft mit seinen Freunden unterwegs, und wenn da eine Gruppe Menschen zu zehnt oder mehr unterwegs ist, da fallen die schon etwas auf. Händler, die von Stadt zu Stadt ziehen, um ihre Waren zu verkaufen, sind oft nur alleine unterwegs. Also klar, dass in Jericho gleich überall erzählt wurde: ‚Jesus mit seinen Freunden ist bei uns in der Stadt!‘

In dieser Stadt lebte ein Mann mit dem Namen Bartimäus. Er lebte da schon immer. Er kannte sich da gut aus. Das war auch wichtig für ihn, denn er war blind. Er konnte nichts sehen. Weil er nichts sehen konnte, konnte er nicht arbeiten. Weil er aber trotzdem was essen musste, brauchte er Geld. Also saß er am Stadttor und bettelte. Das machte er jeden Tag. Viele kannten den Bartimäus, und immer wieder bekam er eine Münze in sein Körbchen geworfen, dann bedankte er sich. Bartimäus hat gespürt, dass heute etwas Besonderes in der Stadt los war. Er hat die Menschen reden hören. ‚Jesus‘ hat er gehört. Jesus, das sagte ihm was. Von dem Jesus hatte er schon öfters die Menschen reden hören. Manche hatten erzählt, dass er ein Sohn Davids war. Andere erzählten sogar, dass er Gottes Sohn sei. Auch erzählten sie, dass er Menschen hilft, die schlecht dran sind. Bartimäus lauschte. Da kamen viele Menschen, genau auf ihn zu. Das musste die Menschengruppe um Jesus sein, von der die anderen schon erzählt hatten. Bartimäus überlegte, was er wohl machen könnte. Viele Möglichkeiten fielen ihm nicht ein. Sitzenbleiben und Schweigen. Das wäre so, wie er sich immer verhielt. Sitzenbleiben, schweigen und auf eine Münze hoffen. Um Hilfe bitten? Bartimäus überlegte. Ging das überhaupt? Doch da tat sich schon sein Mund auf und er fing an, laut zu rufen: ‚Jesus, du Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!‘

Die Menschen um Jesus herum und die Menschen aus Jericho drehten sich zu ihm um und zischten: ‚Mensch, sei still!‘ Doch Bartimäus ließ sich jetzt nicht mehr abhalten. Er schrie noch viel lauter: ‚Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!‘ Und dann passiert es. Jesus hat Bartimäus gehört. Er bleibt stehen. Er dreht sich um und schaut. Zu den Menschen um sich herum sagt er: ‚Ruft ihn her!‘ Also rufen sie ihn. Die, die ihn kennen, sagen: ‚Bartimäus, nur Mut! Steh auf! Jesus ruft dich!‘

Da hatte es Bartimäus eilig. Den Mantel, den er um sich gewickelt hatte, warf er hinter sich. Schnell sprang er auf und kam zu Jesus. Die Menschen hatten für ihn eine Gasse gebildet. Sie halfen ihm zu Jesus. Jetzt steht Bartimäus vor Jesus und wird von ihm gefragt: ‚Was willst du von mir? Was soll ich für dich tun?‘“

Ada hatte bis jetzt gespannt zugehört. Doch jetzt platzt es wieder aus ihr heraus: „Was für eine Frage. Das weiß doch jeder Mensch, was dieser Bartimäus will und braucht. Sehen will er wieder! Manchmal stellt Jesus schon seltsame Fragen“, brummt Ada.

Die Mutter grinst. „Vielleicht muss das Jesus fragen. Vielleicht muss er von Bartimäus genau wissen, was dieser will. Könnte ja sein, dass er eine Münze von ihm wollte für ein gutes Abendessen. Oder vielleicht wollte er was von Gott von ihm wissen?“

Ada schaute ihre Mutter ungläubig an. „Du meinst, er wollte über Gott mit ihm reden? Das glaube ich nicht. Wenn er von Jesus gehört hat, dass Leute über ihn sagen, er sei Gottes Sohn, da hat er sich doch bestimmt ganz andere Hoffnungen gemacht. Erzähl weiter, Mama, ich muss wissen, wie es weitergeht“, drängelte Ada.

„Also Jesus hat den blinden Bartimäus gefragt: ‚Was willst du? Was soll ich für dich tun?‘ Und Bartimäus antwortete ihm: ‚Rabbi, dass ich sehen kann!‘“

„Sag dich doch!“ sagte Ada zufrieden. „Bartimäus will sehen können! Und wie geht es jetzt weiter, Mama?“

„Ganz einfach“, sagt die Mama. „Jesus sagt zu ihm: ‚Geh nur, dein Glaube hat dich gerettet.“

„Wie? Sein Glaube hat ihn gerettet?“ Ada ist ein einziges Fragezeichen, also so in etwa schaut ihr Gesicht aus. „Sein Glaube hat ihn gerettet? „Mama, kannst du mir das erklären?“

Die Mama denkt nach: „Bartimäus hat geglaubt, dass Jesus das kann. Ihm sehende Augen zu geben. Ihn gesund zu machen. Und er hat es ganz einfach so gesagt. Das wünscht er sich von Jesus. Sehen will er können, so wie all die anderen auch. Und er hat nicht herumgetan. So wie: ‚Also wenn er möglich wäre, und mein Wunsch nicht zu groß und zu unberechtigt ist und es vielleicht von mir frech ist, so einen Wunsch zu äußern‘ … So hätte er ja auch reden können, der Bartimäus. Aber nein. Er sagt seinen Wunsch klar und deutlich mit viel Glauben, dass Jesus ihm helfen kann.“

Ada nickt. Das versteht sie. „Und jetzt?“, fragt sie. „Wie geht es nun aus? Kann er sehen oder nicht?“

Die Mutter schaut Ada verwundert an. „Meinst du, die Geschichte würde erzählt werden, wenn Jesus gesagt hätte: ‚Lieber blinder Bartimäus, das tut mir leid, aber da kann ich dir nicht weiterhelfen. Sehende Augen gibt es bei mir nicht.‘“

Ada schüttelt den Kopf: „Nein, du hast recht. Bartimäus muss sehen können am Ende der Geschichte. Wunderbar!“

„Ja, wunderbar!“, sagt die Mutter. „Bartimäus konnte sofort sehen. Und er hat sofort sein Leben radikal verändert. Er ist einfach mit Jesus und seinen Freunden und Freundinnen mitgegangen. Weiter nach Jerusalem, weg aus Jericho.“

Ada ist zufrieden. Solche Geschichten von Jesus liebte sie. In Kana macht er aus Wasser Wein, im Sturm gebietet er Wind und Wellen zu schweigen, und dem Bettler Bartimäus schenkt er sehende Augen. Dieser Jesus ist wunderbar. Ada seufzt zufrieden.

Die Mutter wartet noch einen Augenblick, und dann holt sie Ada in den Alltag zurück. „Ada“ wir werden noch Wasser holen müssen. Es war ein heißer Tag und alle werden zum Abendessen noch kühles Wasser schätzten. Also machen wir uns auf den Weg.

Und nächste Woche beginne ich dir von Kindern aus der Bibel zu erzählen, die Wichtiges erlebt und getan haben.

Mk 10, 46-52

24.1.2026

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