Platz für Alle: Gottes Haus

Letzte Woche hat ja Nele mit der Religionsgruppe und der Religionslehrerin einen Ausflug zur Kirche während des Religionsunterrichts gemacht. Heute ist wieder ganz normal Unterricht im Klassenzimmer. Zum Beginn der Unterrichtsstunde erzählen sich die Kinder noch gegenseitig, an was sie sich erinnern. Natürlich an die Turmfalken, das wissen alle noch. Und einige waren über das Wochenende mit ihren Eltern oder Großeltern einmal schauen, ob die schnellen Vögel immer noch den Turm anfliegen. Ja, das haben sie auch am Wochenende gemacht.

Die Religionslehrerin will, nachdem alle nochmals erzählt haben, wo ihr Lieblingsplatz war, von den Kindern wissen: „Kennt ihr noch ein anderes Wort für Kirche?“ Na klar, kennen sie noch ein anderes Wort dafür, und die Finger fliegen in die Höhe: „Gotteshaus!“ Das wissen die doch.

Nun kommt eine – für den Religionsunterricht eher seltene – Aufgabe für die Kinder. Sie sollen ihre Wohnung malen, in der sie sich wohlfühlen. Sie sollen an alles denken. Türen, Fenster, vielleicht einen Balkon, eine Terrasse, verschiedene Zimmer … was ihnen so einfällt.

Das machen sie dann. Die Religionslehrerin hat ruhige Musik eingeschaltet und alle sind beschäftigt. Natürlich gibt es Flüstereien dazwischen: „Kann ich mal diesen Stift haben!“ „Ich brauche ein neues Blatt.“ Und solche Sachen.

Als die Musik von der Religionslehrerin ausgemacht wird, sollen alle fertig werden. Die Bilder werden an die Wand gepinnt. Eines nach dem anderen. Dazwischen befestigt die Religionslehrerin auch leere Blätter. Die Wand ist ganz schön voll, als alle Bilder und die leeren Blätter einen Platz gefunden haben. Da zieht die Religionslehrerin noch einen roten Karton aus ihrem Material und schneidet einen Dachgiebel zurecht. Jetzt ist das Gemeinschaftsbild fertig.

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich davor und schauen es an. Sie fragen nach: „Wer hat denn da einen Brunnen mitten in seine Wohnung gemalt?“ „Ich sehe ein Schwimmbecken.“ Das sind ganz viele Hamster in der einen Wohnung.“ „Das da hinten ist ja mehr ein Dschungel als eine Wohnung, so viele Pflanzen.“

Ja, es gibt wirklich viel zu entdecken. Eine Wohnung ist wohl mehr so eine Raumstation, alles voller technischer Geräte. In einer anderen Wohnung sind vor allem ein großes Sofa und viele, viele Kissen zu sehen.

Als alle Gedanken ausgetauscht sind, sagt die Religionslehrerin: „Ich erzähle euch kurz die biblische Geschichte zu unserer Gruppenarbeit.

Es ist in Jerusalem. Jesus ist mit seinen Freundinnen und Freunden dort, um das Passahfest zu feiern. Es ist kurz vor seinem Tod. Er will seinen Freunden und Freundinnen noch so viel sagen und er spürt, dass die Zeit nur noch kurz ist. So fängt er mit etwas ganz Wichtigem an: ‚Lasst euch in eurem Herzen keine Angst machen! Glaubt einfach an Gott, glaubt einfach an mich. Im Haus meines Vaters gibt es unzählige Wohnungen. Wohnungen für alle. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe dorthin, um für euch einen Platz vorzubereiten? Nein, das hätte ich sonst nicht gesagt. Und, das ist vielleicht jetzt schwierig zu denken, aber wenn ich dorthin gegangen bin und für euch einen Platz vorbereitet habe, werde ich wiederkommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.‘ Das ist die Geschichte von Jesus, passend zu unserer Gruppenarbeit.“ Schon ist die Religionslehrerin fertig. Die Kinder sitzen erst noch etwas sprachlos vor ihrem Kunstwerk, doch dann haben sich ihre Gedanken gesammelt und die ersten Meldungen sind zu sehen. „Wir haben die vielen Wohnungen gemalt, die bei Gott und Jesus sind.“ „Da sind auch welche für uns.“ „Und welche für Menschen, die wir noch gar nicht kennen, deshalb sind da unbemalte Blätter dazwischen.“

Und dann fällt der Nele was ein. Sie geht doch immer im Oktober oder November mit der Oma zum Friedhof, um Opas Grab schönzumachen. Da hat sie mit der Oma schon mal über die Geschichte mit den vielen Wohnungen bei Gott nachgedacht. Sie meldet sich: „Und der Opa hat da auch schon seine Wohnung, sagt die Oma. Und sie zieht dann auch mal dahin.“ Die Religionslehrerin nickt: „Ja, so darf man sich das denken, Nele. Ist doch ein guter Platz für den Opa.“ Die anderen Kinder nicken. Einer sagt: „Mein Opa hat sicherlich einen bequemen Sessel in seiner Wohnung. Das war ihm immer ganz wichtig.“ Wieder nickt die Religionslehrerin.

„Kinder, bevor die Stunde zu Ende ist, fehlt uns noch eine Überschrift für unser Gesamtkunstwerk. Was meint ihr?“ Die erste Meinung ist: „Viele Wohnungen.“ „Nein“, meint ein anderes Kind, „viele Wohnungen bei Gott, ist doch besser.“ Die Religionslehrerin ist noch nicht so ganz zufrieden. „Erinnert ihr euch noch an das Wort von der letzten Stunde?“ Das fällt ihnen natürlich gleich ein: „Gottes Haus“.

Mit einem Edding schreibt die Religionslehrerin in das rote Dach: Gottes Haus. Und unten drunter: Hier ist Platz für jeden und jede

Dann ist die Stunde um. Und Nele und ihre Freundin Inge gehen nach Hause. Sie denken auf dem Heimweg noch gemeinsam darüber nach, dass es doch toll ist, dass man, wenn man stirbt, schon ein Zuhause bei Gott hat.

Nächste Woche überlegen wir: Wo wohnt eigentlich Gott?

 Joh 14, 1-3

25.7.2026

Weiter
Weiter

Gotteshaus ein Zuhause