Wo wohnt Gott?
Noch eine Religionsunterrichtsstunde zum Thema Gotteshaus bei Nele im Religionsunterricht. Zwei Dinge haben sie schon gemacht. Eine Kirche besucht und angeschaut und über Wohnungen in Gotteshaus nach dem Tod nachgedacht und ein großes Haus im Klassenzimmer gestaltet.
Und nun eine nächste Stunde. Aber die Religionslehrerin machte es spannend. Sie sollten die Augen schließen und es begann eine Zeitreise. Es ging weit zurück. Zurück bis zum Volk Israel, das mit Mose an der Spitze aus Ägypten auszog. Da startete die Religionslehrerin mit ihrer Erzählung:
„Da waren sie also unterwegs, die Israeliten, quer durch die Wüste, jahrzehntelang.“ Manchmal war alles zuversichtlich und ruhig. Manchmal, und nicht zu selten, war schlechte Laune bei dem wandernden Volk. Kein Essen, kein Wasser, keine Zukunft. Doch immer wieder gab es Rettung von Gott. Mal Wasser in einem hohlen Stein, mal Wachteln in der Wüste, die sich fangen und braten ließen, mal Mana zum Sammeln und Essen. Und dann der große Moment, wo Gott einen Bund mit seinem Volk schließt und ihnen die 10 Gebote gibt. Diese 10 Gebote brauchen ein Zuhause auf dem Weg durch die Wüste. Es entstand die Bundeslade – ein Zelt mit den Geboten. An jedem Rastplatz wurde es aufgebaut. So kam die Bundeslade mit in das gelobte Land, das Land, das Gott dem wandernden Gottesvolk zur Verfügung stellte. Die Priester kümmerten sich um die Bundeslade. Das Volk wurde sesshaft. Es begann, Häuser zu bauen. Sie wählten einen König. Und als das Königreich schon einige Jahre bestand hatte, da kam die Idee auf, ein Gotteshaus zu bauen. Der König David dachte darüber nach. Er hatte schon die Bundeslade zu seinem Königshof geholt. Salomo, ein Sohn Davids, setzte dann den Gedanken in die Tat um. Er ließ einen Tempel für Gott bauen. Das mit einem Tempel für Gott hat er bei anderen Religionen gesehen. Was hatten die für prächtige Bauten für ihre Götter errichtet! Da war Salomo schon sehr bestrebt, dass der Tempel für Gott etwas ganz Besonderes würde. Es ging ja um den lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hatte, und nicht um irgendeinen Steingott, der von Menschen verehrt wurde. Sieben Jahre dauerte der Bau. Zedernholz war der Hauptbaustoff. Die Außenseite war ausschließlich aus den schönsten Zedernstämmen, die es gab, gebaut. Innen gab es auch Stein, für den Fußboden und den Altar und ganz viel Gold. Der König Salomo war reich und konnte sich das leisten. Sieben Jahre lang hatten die Bauarbeiter alle Hände voll zu tun. Nicht alle waren begeistert davon, sie fühlten sich manchmal, wie die Israeliten damals in Ägypten, als sie die Pyramiden bauen mussten. Doch Salomo ließ keinen Protest gelten. In sieben Jahren sollte der Tempel fertig sein, also musste ununterbrochen gearbeitet werden. Und dann war es so weit. Der Tempel war fertig. Ein großes Fest zur Einweihung wurde vorbereitet. Alle waren ganz aufgeregt. Alle suchten ihre festlichste Kleidung heraus. Das Widderhorn wurde geblasen. Ein Chor stimmte eine Hymne an. Und dann trat der König persönlich an den Altar, nicht irgendein Priester. Der König breitete seine Hände zum Himmel aus und begann mit einem Gebet: ‚Du Gott Israels! Du bist der Herr! Kein Gott ist so groß wie du, weder oben im Himmel noch hier auf Erden. Du hältst treu den Bund mit uns, deinem Volk, seit du uns voran, uns aus Ägypten führtest. Wir führen unser Leben unter deiner Herrschaft. Du Gott, du bist groß, größer als der Tempel hier, größer als alles, was wir uns vorstellen können. Du bist so weit wie der Himmel. Gott, wende dich uns kleinen Menschen zu, höre unsere Gebete. Höre mich. Wende deinen Blick nicht von dem Tempel, den wir dir zu Ehren gebaut haben. Dieses Gotteshaus soll ein Ort sein, in dem du gegenwärtig bist. Erhöre die Gebete hier.‘ Lang hat der König Salomo gebetet. Wieder wurden die Widderhörner geblasen. Die Priester bereiteten ein Opfer vor und würzige Kräuter wurden verbrannt. Der ganze Tempel roch nach Fest und Ehre.“
Nun war die Religionslehrerin fertig mit ihrer langen Geschichte. Die Schülerinnen und Schüler durften jetzt Fragen stellen. Alle wollten wissen: „Gibt es den Tempel noch? Wie sieht er aus? Kann man da zum Beten hingehen?“ Alles musste die Religionslehrerin verneinen. Einzig ein paar alte Mauern stehen noch vom Tempel. Dort beten die Juden zu besonderen Ereignissen.
Und jetzt hat die Religionslehrerin noch eine Frage: „Ein weißer Gelehrter und Philosoph stellte einmal seinen Schülern die Frage: ‚Wo wohnt Gott?‘ Was meint ihr?“
Oh, das war eine Frage zum Nachdenken für die Kinder. Wohnt Gott im Himmel, im Tempel oder in der Kirche? Alle diese Ideen trugen sie vor. Die Religionslehrerin grinste. „Ja“, sagte sie, „alles richtig. Aber noch viel mehr. Gott wohnt, wo man ihn einlässt, hat der Gelehrte gesagt. Und ich finde, das stimmt. Wenn ich in ein Gotteshaus gehe, dann kann ich dort – meistens – in Ruhe beten und mich auf ihn besinnen. Wenn ich bei einem Gottesdienst im Freien bin, dann gibt es vielleicht neben Gebet und Lied auch Tanz und Aktion, da kann ich Gott begegnen. Aber auch hier im Klassenzimmer ist Gott da, wenn wir ihn einlassen. Und bei jedem von euch zu Hause auch. Und unterm Baum, am Fluss, am See, auf dem Berg, in der Höhle. Gott wohnt, wo man ihn einlässt und das Gespräch mit ihm sucht.“
Fast war die Stunde schon wieder herum. Die Hausaufgabe war einfach. Wo wohnt Gott? Ein Bild dazu bitte. Und schon war Nele mit ihrer Freundin Inge auf dem Weg nach Hause. Sie überlegten schon mal, was sie malen wollten. Nele wollte den Friedhof mit dem Grab vom Opa malen und dann noch den Küchentisch, an dem sie sich mit Oma immer wieder über Gott unterhält.
Nächste Woche geht es ein letztes Mal um Gotteshaus. Diesmal soll es lebendige Steine haben. Was sind lebendige Steine?
1. Kön 8, 22+23, 27-30
1.8.2026