Himmel, Erde, Luft und Meer ….
Von einem Lieddichter erzähle ich dir heute .
Er heißt Joachim Neander und hat von 1650 bis 1680 gelebt. Das war vor über 370 Jahren. Es war eine ganz andere Zeit. Joachim Neander wurde mit 24 Jahren Rektor an einer Schule in Düsseldorf. Er hat seinen Schülern – und es waren damals wirklich nur Jungs – Religionsunterricht gegeben, ihnen griechische und lateinische Sprache gelehrt und Musikunterricht war auch seine Aufgabe. Er machte das ganz gerne. Musik lag ihm vor allem am Herzen. Er hatte schon bald herausgefunden, dass er gut Gedichte schreiben und Melodien erfinden konnte. Und was er auch sehr gerne machte, war, sich draußen in der Natur aufzuhalten. Das Tal der Düssel hatte es ihm besonders angetan. Es war etwas außerhalb des Ortes Düsseldorf und war wunderschön. Es hatte hohe Felsen, der Fluss war klar und sauber und überall konnte man stehen bleiben und die Natur bewundern. Das tat Joachim Neander gerne.
Wenn er so am Spazierengehen oder Wandern war, dann hatte er Zeit, über biblische Texte nachzudenken. Vielleicht hat er sich auch überlegt, was er im nächsten Religionsunterricht seinen Jungs erklären wollte.
Einmal war der Psalm 104 sein Begleiter auf so einer Wanderung. Er wanderte und murmelte den Text vor sich hin. Er konnte den Psalm ja auswendig.
Ich will dich rühmen, Herr! Mein Gott, wie bist du so groß! Du hast den Mond gemacht, die Zeit zu bestimmen, und die Sonne, die ihren Lauf kennt bis zum Niedergang. Du lässt Bäche rinnen durch die Täler, zwischen den Bergen laufen sie dahin. Sie tränken die Tiere auf dem Feld, und die Wildesel löschen ihren Durst. An ihren Ufern wohnen die Vögel, die unter dem Himmel fliegen und singen unter den Zweigen. Für immer bleibe die Herrlichkeit Gottes. Ich will ihm singen, mein Leben lang.
Joachim Neander fand den Text des Psalmes wunderbar. Er passte so gut zu seinem Tal der Düssel.
Wenn er jetzt gute Worte finden würde, dann könnte er doch so ein Loblied auf die Natur schreiben. Ein bisschen wie den Psalm 104.
Er dachte nach. Er lauschte in sich hinein, er betrachtete die schöne Natur. Und dann war es da, das Lied. Also erstmal das Gedicht. Eine Melodie fand sich dazu auch. Und nun steht es heute noch im Gesangbuch. Obwohl es schon so uralt ist.
Ich singe es dir mal vor:
1) Himmel, Erde, Luft und Meer
zeugen von des Schöpfers Ehr;
meine Seele singe du,
bring auch jetzt dein Lob herzu. 2) Seht das große Sonnenlicht,
wie es durch die Wolken bricht;
auch der Mond, der Sterne Pracht
jauchzen Gott bei stiller Nacht. 3) Seht, wie Gott der Erde Ball
hat gezieret überall.
Wälder, Felder, jedes Tier
zeigen Gottes Finger hier. 4) Seht, wie fliegt der Vögel
Schar in den Lüften Paar bei Paar.
Blitz und Donner, Hagel,
Wind seines Willens Diener sind. 5) Seht, der Wasserwellen Lauf,
wie sie steigen ab und auf;
von der Quelle bis zum Meer
rauschen sie des Schöpfers Ehr. 6) Ach mein Gott, wie wunderbar
stellst du dich der Seele dar.
Drücke stets in meinen Sinn,
was du bist und was ich bin.
Ich finde, es ist schön geworden. Man kann die Freude von Joachim Neander an der Natur spüren und seine Liebe zu Gott. Beides sicherlich ein Grund, warum wir das alte Lied heute noch im Gesangbuch finden.
Seine Liebe zur Natur hat es Joachim Neander nicht leicht gemacht. Viele in der Kirche damals haben ihn genau beobachtet. War er schon wieder nicht zum Gottesdienst in der Kirche gekommen? War er schon wieder draußen durch die Gegend gewandert? Sehr argwöhnisch haben sie ihn betrachtet. Es war ja damals eine andere Zeit.
Heute feiert man gerne Gottesdienste auch draußen. Auf den Bergalmen mit weitem Blick über die Täler. Am Meer mit dem Brausen des Wassers im Ohr. Am Weiher neben dem Ort. Auf dem Bauernhof. Es gibt viele Möglichkeiten, in der Natur Gott für seine gute Schöpfung zu loben und zu danken.
Weißt du, was noch besonders ist? Das Tal, in dem Joachim Neander immer wandern ging. Dort, wo die Düssel floss, bekam den Namen Neandertal. Es schaut heute ganz anders aus als damals. Die hohen Felsen sind nicht mehr da. Man hat die Steine nach und nach abgehauen, da man sie zum Bauen brauchte. Viel später - 1856 - hat man in dem Neandertal dann Knochen eines Urmenschen entdeckt und hat ihn nach dem Tal benannt. Der Neandertaler.
Und dann ist mir noch was aufgefallen. Joachim Neander war seiner Zeit weit voraus. Er hat gedichtet: Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall. Damals dachte die Mehrheit der Menschen, die Erde sei eine Scheibe. Joachim Neander hatte die Vorstellung, die Erde sei eine Kugel, ein Ball. Das Wort gezieret kennst du vielleicht nicht. Es meint: Gott hat die Erde wunderbar erschaffen – verzieret. Hier Büsche und Sträucher, Bäume, Blumen, Vögel, Insekten und ganz viel Tiere …
Und dann hast du dich vielleicht gewundert. In der letzten Strophe heißt es: Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin. Das Drücken hat sich Joachim Neander so vorgestellt, wie man einen Abdruck in z.B. Ton macht. Etwas einritzt, hineindrückt. Dass es lange zu sehen ist. In Erinnerung bleibt.
Hier noch einmal das Lied. Vielleicht kannst du schon ein wenig mitsummen.
1) Himmel, Erde, Luft und Meer
zeugen von des Schöpfers Ehr;
meine Seele singe du,
bring auch jetzt dein Lob herzu. 2) Seht das große Sonnenlicht,
wie es durch die Wolken bricht;
auch der Mond, der Sterne Pracht
jauchzen Gott bei stiller Nacht. 3) Seht, wie Gott der Erde Ball
hat gezieret überall.
Wälder, Felder, jedes Tier
zeigen Gottes Finger hier. 4) Seht, wie fliegt der Vögel
Schar in den Lüften Paar bei Paar.
Blitz und Donner, Hagel,
Wind seines Willens Diener sind. 5) Seht, der Wasserwellen Lauf,
wie sie steigen ab und auf;
von der Quelle bis zum Meer
rauschen sie des Schöpfers Ehr. 6) Ach mein Gott, wie wunderbar
stellst du dich der Seele dar.
Drücke stets in meinen Sinn,
was du bist und was ich bin.
Nächste Woche erzähle ich dir von einem anderen Liederdichter und stelle dir sein Lied vor.
Ps 104, 1 + 10-13 + 19 + 31 + 33;
Lied: Evangelisches Gesangbuch 504
26.9.2026